Wachstumsfaktoren: PDGFF-BB und BMPs

Wachstumsfaktoren sind aktive Proteine die Prozesse in Gang setzen, vergleichbar mit Hormonen, aber auf niedrigerer Ebene. Sie werden von unserem Körper beim Wachstum und für Wundheilungsprozesse gebildet. Dort regen sie neben Bindewebs- und Knochengewebe auch stark differenzierte Zellen (z.B. Desmodontalzellen, die für eine parodontale Regeneration notwendig sind) zum Wachstum an. Sie sind in Ihrer Wirkung am Zahnhalteapparat vergleichbar mit den Schmelz-Matrix-Proteinen.

Zielgerichtete Geweberegeneration

Das Konzept, Wachstumsfaktoren für die parodontale Regeneration einzusetzen, ist vor dem Hintergrund des "Genetic Engeneering" der modernen Medizin naheliegend. Es ist verlockend, durch die Zugabe kleiner Botenstoffe, Heilvorgänge zu beschleunigen und Regenerationen punktgenau zu bewirken. Jedoch ist die Wahl des optimalen Botenstoffs, die Dosierung und auch die wirtschaftliche Herstellung noch nicht gelöst.

Parodontal relevante Wachstumsfaktoren

Praktisch jede Gewebestruktur hat spezielle Botenstoff, um Regenerationsvorgänge anzuschubsen. Die meisten Faktoren werden von Reparaturzellen des Bindegewebes und des Bluts erzeugt. Sie tragen dann die Namen der Wirkung, des Zielgewebes oder der Zellen, die sie produzieren.

  • Platelet-derived Growth Factor (PDGF)
  • Bone Morphogenic Proteins (BMPs)
  • Transforming growth Factor beta (TGF-beta)
  • Fibroblast Growth Factor (FGF)
  • Insulin-like Growth Factor I/II (IGF-I/II)

Der Einsatz von Wachstumsfaktoren in der Parodontologie wird seit über 10 Jahren erforscht. Bisher hat es aber nur 1 Produkt auf dem Markt geschafft, das bisher nur in den USA zugelassen ist: das PDGF-BB. Zur Anregung des Knochenwachstums (z.B. für den Knochenaufbau in der Implantologie) sind BMPs schon länger in der Anwendung. Aber auch hier ist der Durchbruch bisher ausgeblieben. Die wenigen Studien lassen kaum eine sichere Aussage für den Wert der regenerativen Parodontologie zu, insbesondere im Vergleich zu anderen Maßnahmen.

Bei den Wachstumsfaktoren stehen wir noch am Anfang

Neben der noch fehlenden wissenschaftlichen Absicherung der Wirkung, fehlen auch Antworten auf folgende Fragen:

  • Ist eine Kombination von verschiedenen Wachstumsfaktoren sinnvoll, um die gewünschte biologische Aktivität zu erreichen?
  • Welches ist die geeignete Konzentration für eine erfolgreiche Wirkung, mit den geringsten Nebenwirkungen und ohne Rebound-Effekt (gegenläufige Reaktion des Körpers).
  • Was ist das geeignete Trägersystem, das den Wirkstoff freisetzt ohne negativ mit der Regeneration zu interagieren?

Fazit:
Das Konzept liegt im modernen Trend des "Genetic Engeneering" zur Heilung von Erkrankungen, es gibt aber noch zu viele Baustellen, bis das ein Produkt "marktreif" für die Anwendung ist. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis die vielen Forschungen und Studien ein wirksames Produkt für die regenerative Parodontalchirurgie präsentieren werden.

Quellen:
P. Eickholz, B. Dannewitz, Glossar der Grundbegriffe für die Praxis, regenerative Parodontalchirurgie Teil 4: Bioaktive Wirkstoffe: Differenzierungs- und Wachstumsfaktoren, Schmelzmatrixprotein, Parodontologie 20(1):71-77, Quintessenzverlag, 2009

Letzte Aktualisierung am Dienstag, 12. Juni 2018



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