Parodontaler-Screening-Index (PSI)

Der PSI (parodontaler Screening Index) ist die gängigste Massnahme, eine behandlungsbedürftige Parodontitis zu diagnostizieren. Er wurde in den USA als "Community periodontal index of treatment needs (CPITN) entwickelt und von der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), sowie der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) in Deutschland als Standarduntersuchung adaptiert. Der PSI sollte am besten jedes Mal im Rahmen der normalen Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt als Parodontose-Screening durchgeführt werden. Er wird von den gesetzlichen Krankenkassen aber nur alle 2 Jahre bezahlt, von daher besteht für einen Kassenpatienten kein Anspruch auf häufigeres Screening. Als Behandlungsbedarfsindex legen die erfassten Werte beim PSI ein entsprechendes weiteres diagnostisches oder sogar therapeutisches Vorgehen nahe.

   
  WHO-Parodontalsonde
  WHO-Sonde

Was wird bei der PSI-Untersuchung gemacht?

Ziel der Untersuchung ist, den Zustand des Zahnfleisches, das Ausmass einer eventuellen Zahnfleischentzündung und einem damit verbundenen Knochenabbau einzuschätzen. Das geschieht mit Hilfe eines einfachen Untersuchnungsinstruments, der sogenannten Parodontalsonde, die abgestufte Längenmarkierungen zum Messen einer Taschentiefe und ein kugelig-abgerundetes Arbeitsende hat, dass Verletzungen am Zahnfleisch vermeiden soll und bei der Ertastung von Rauigkeiten und Konkrementen hilft. Für den PSI wird eine WHO-Sonde verwendet, die eine Längeneinteilung mit einem schwarzen Band nach 3,5mm hat. Sie wird an jedem Zahn an 4 bis 6 Stellen entlang er Wurzeloberfläche in die Zahnfleischsaum eingeführt und die Sondierungstiefe (der Zahnfleischtasche), die Blutungsneigung des Zahnfleisches (BOP) und die Rauigkeiten der Zahnoberfläche gemessen und dokumentiert.

Sondieren ist unangenehm

Die Untersuchung wird von vielen Patienten als nicht angenehm empfunden, da das Zahnfleisch -insbesondere bei einer Entzündung- sehr empfindlich auf Sondieren reagieren kann: es piekst! Auch als Patient mit gesundem Zahnbett kann man sich durch das PSI-Screening schon belästigt fühlen.

PSI-Code und Behandlungsbdarf/Therapie

Für den PSI erfolgt die Einteilung des Gebisses in 6 Bezirke, sogenannten Sextanten. Je Kiefer: Seitenzähne rechts, Frontzähne, Seitenzähne links. Es wird jeder Zahn an 4-6 Stellen gemessen. Je nach Entzündungsaktivität erfolgt eine Einstufung von 0-4, also insgesamt 5 Grade. Der höchste (schlechteste) Wert eine Zahns innerhalb eines Sextanten wird dann als PSI-Wert für diesen Sextanten übernommen.

Code 0

  • Befund: Taschentiefen unter 3,5mm => Gesund
  • Therapie: keine

Code 1

  • Befund: Taschentiefen unter 3,5mm, BOP => Gingivitis
  • Therapie: Plaquenetfernung, Mundhygieneinstruktion

Code 2

  • Befund: Taschentiefen unter 3,5mm, BOP , Plaque=> Gingivitis
  • Therapie: Mundhygieneinstruktion, professionelle Zahnreinigung mit Plaqueentfernung ober- und unterhalb des Zahnfleischrandes

Code 3

  • Befund: Taschentiefen über 3,5mm => Parodontitis
  • Therapie: ergänzende genaue Befunderhebung, professionelle Zahnreinigung mit Plaqueentfernung ober- und unterhalb des Zahnfleischrandes

Code 4

  • Taschentiefen >5,5mm, Zahnstein und Blutung möglich, Plaqueretentionsnischen möglich => Parodontitis
  • Therapie: ergänzende genaue Befunderhebung, professionelle Zahnreinigung mit Plaqueentfernung ober- und unterhalb des Zahnfleischrandes => Parodontosebehandlung

 

Weitere klinische Auffälligkeiten im jeweiligen Bezirk (Rezession, Zahnlockerung) werden im PSI mit einem Sternchen gekennzeichnet.

PSI: schlechtester Wert im Sextant ausschalggebend

Da es für jeden Sextanten nur einen Wert gibt, enthält der PSI einen Code von 6 Zahlen. Der ideale PSI Wert bei einem Patienten wäre 0-0-0-0-0-0, welcher aussagt, dass alle Zähne in allen Sextanten den Code 0 haben, also perfekt zahngesund sind. Der schlechteste mögliche Wert wäre demnach 4-4-4-4-4-4, der bedeutet, das mindestens ein Zahn in jedem Sextanten den Code 4 (s.o.) hat. Über die Gesamtzahl der entzündeten Zähne sagt der PSI allerdings nicht aus.

 

Literatur:
Cutress TW, Ainamo J, Sardo-Infirri J, The community periodontal index of treatment needs (CPITN) procedure for population groups and individuals. Dental Research Unit, Medical Research Council of New Zealand, Wellington. International Dental Journal [1987, 37(4):222-233]

Letzte Aktualisierung am Mittwoch, 06. Juni 2018



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