Handzahnbürste: falsche Putztechnik schadet

Die Handzahnbürste gilt quasi als Synonym für die eigene Zahnpflege. Obwohl in der heutigen Gesellschaft die Anwendung von elektrischen Zahnbürsten mit optimierter Effektivität immer mehr zunehmen, hat das klassische Zähneputzen weiterhin einen hohen Stellenwert. Kauflächen, Glattflächen und Zahnfleischsaum lassen sich mit der richtigen Technik sicher plaquefrei halten, eine Zahnbürste kostet wenig und lässt sich leicht mitnehmen.

Zahnbürsten: Synonym für Zahnpflege  
Zahnbürsten: Inbegriff der Zahnpflege  

Was die Vielfalt der Zahnbürsten-Modelle angeht, ist das Angebot der Industrie kaum zu Überblicken. Planes Bürstenfeld versus, gewinkelte und kreuzweise angeordnete Borsten, harte oder weiche Bürsten, Kurzkopf oder großflächig: jedes Modell scheint seine speziellen Vorteile zu haben. Hier sind einige Aspekte, die bei der Auswahl der richtigen Bürste für die Zahnpflege bei Parodontose helfen können

Handzahnbürste: eher kleiner Kopf und mittelharte Borsten

  • Der Bürstenkopf sollte eher kurz sein (ca. 29-32mm), da die Platzverhältnisse in der Mundhöhle eingeschränkt sind und so eher gewährleistet werden kann, dass alle Bereiche erreicht werden.
  • Ein dichtes Borstenfeld erhöht die Reinigungsleistung durch erhöhte Kontaktoberfläche zum Zahn.
  • Die Borsten sollten abgerundet und aus Nylon sein. Naturborsten sind ein Bakterienreservoir. Scharfe Grate und Kanten an den Borsten können das Weichgewebe verletzen.
  • Eine mittlere Härte ist ein guter Kompromiss zwischen ausreichender Stabilität für eine gute Reinigung und noch niedrigem Abrieb-Risiko. Bei bekannt zu hohem Putzdruck dürfte weiche Borsten die bessere Alternative sein.

Zähneputzen: Einmal richtig reicht, nicht mehr als 2mal täglich

Wenn man bei der Zahnpflege Zahnfleischbluten feststellt, ist das kein Zeichen für zu viel Putzen, sondern für zu wenig oder falsche Pflege, denn die Blutung hat ihre Ursache in einer Zahnfleischentzündung die wiederum auf eine Bakterienansammlung in Form von Plaque und Biofilm zurückzuführen ist.
Es gibt viele Meinungen und Tipps, was die Häufigkeit des Zähneputzens angeht: 3 mal täglich, nach jeder Mahlzeit, morgens und abends. Entscheidend für die Plaqueentfernung ist aber nicht die Häufigkeit, sondern die Effektivität des Putzens, die eine Frage der Technik, der Hilfsmittel und auch der Putz-Zeit ist.

Aus medizinischer Sicht dürfte eine effektive Entfernung der bakteriellen Beläge einmal täglich reichen. Die Bakterien können nämlich erst ca. 30 Stunden nach Besiedelung einen erkennbaren Angriff starten. Zudem dürfte das einmalige Putzen schonender für die abriebgefährdete Zahnhartsubstanz sein. Putzschäden sind leider auf dem Vormarsch. Für die Meisten unter uns dürfte aber eine derart radikale Änderung der Putzgewohnheiten sicherlich mit Unwohlsein verknüpft sein. Hier empfiehlt sich das 2mal-tägliche Bürsten, einmal (morgens) mit reduziertem Aufwand, was neben der Plaqueentfernung zusätzlich ein sauberes und gesundes Zahngefühl sowie guten Atem hinterlässt. Abends dann penibel mit allen Hilfsmitteln. Das ist nicht unter 4 Minuten zu schaffen. Drei mal am Tag 2 Minuten erwischt die "einfachen" Stellen zu oft, andere gar nicht.

Richtige Zahnputztechnik bei Parodontose muss man lernen.  
Andere Zahnputztechnik bei Parodontitis  

Die richtige Zahnputztechnik bei Parodontose

Das horizontale "Schrubben" von links nach rechts ist sicherlich die ineffektivste und schädlichste Form der Zahnpflege. Zahnfleischsaum und Zwischenraum werden nicht erreicht und Schäden am Zahn (Zahnhalsdefekte, Zahnfleischrückgang) sind vorprogrammiert.
Aber wie geht es richtig? Lange Zeit wurden "kreisende Bewegungen", dann "von-Rot-nach-Weiß" empfohlen. Die Idee bei einer auf Parodontose abgestimmten Technik muss sein: den Zahnfleischsaum von Plaque befreien und das möglichst weit bis in den Interdentalraum hinein. 2 Vertreter der modernen Zahnputztechnik hierfür sind die "modifizierte Bass-Technik" oder die "modifizierte Stillman-Technik"

Die modifizierte Bass-Technik

  • Zahnbürste im 45°-Winkel an den Zahn und das Zahnfleisch anlegen
  • unter leichtem Druck rüttelnde Bewegungen ausführen, um die Plaque zu lockern
  • zum Zahn hin abstreichen (rot nach weiß)

Diese Pflegetechnik ist gleichermaßen für gesunde und für parodontal geschädigte Zähne geeignet.

Die modifizierte Stillman-Technik

  • Zahnbürste mit den Borsten im Bereich des Zahnfleisches ansetzen
  • Auswischbewegung in Form einer Rotation in Längsachse der Bürste vom Zahnfleisch zum Zahn, ggf. mit leichten Rüttelbewegungen
  • Diese Technik ist besonders geeignet bei Zähnen mit Zahnfleischrückgang (Rezessionen).

Umstellung der Putztechnik: nicht für jeden umsetzbar

Wenn die Umstellung der Technik theoretisch auch mit einem Pflegeerfolg einhergehen sollte, muss das in der Praxis nicht zwangsläufig so sein. Beide Techniken sind nicht einfach und lassen sich oft nur ungelenk umsetzten. Nur nach intensivem Training kann hier ein wirklich zufrieden stellendes Ergebnis erwartet werden. Die Umstellung auf elektrische Zahnbürsten fällt dabei meist leichter und sollte gerade bei schlecht zu motivierenden und/oder manuell weniger geschickten (insbesondere älteren) Patienten als beste Option gewählt werden.

Zahnbürste alleine reicht nicht

Die Zahnbürste alleine kann nicht alle Zahnflächen erreichen. Die Zahnzwischenraumpflege muss einen ebenso wichtigen Raum einnehmen und stellt ebenfalls einer erhöhte Anforderung an Motivation und Geschicklichkeit.

Quellen:
C.E. Dörfer, H.J. Staehle, Strategien der häuslichen Plaquekontrolle, Zahnmedizin up2date, Thieme (2010)
Zähne putzen: Hart oder zart; Stiftung Warentest(2009)

Bildquelle: Fotolia aysegull, Ocskay Bence

Letzte Aktualisierung am Dienstag, 08. März 2016



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