Stress, psychische Belastung und Depression als Risikofaktor

Psychosozialer Stress beeinflusst bekanntermassen das Immunsystem und so auch unsere Gesundheit. So konnte mittlerweile auch ein Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen und Parodontitis aufgedeckt werden. Es konnte in Studien gezeigt werden, dass Stress und Depressionen zum Einen die Entstehung einer Parodontitis begünstigen, die Zerstörung schneller vorantreiben und die Wundheilung nach der Therapie verschlechtern. Erstaunlich war dabei das Ergebnis, dass Stress nicht einmal mehrere Jahre benötigt, bis die oben beschriebenen Auswirkungen sichtbar werden. Es kann durchaus eine intensive Stressepisode über ein Jahr ausreichen, eine mittelschwere Parodontose zu initiieren.

   
Stress kann ein erheblicher Risikofaktor fuer die Parodontose sein.  
Überforderung: auch das
Zahnbett leidet mit
 

Stress und Immunsystem

Der Stress macht sich vor allem durch eine Veränderung der körpereigenen Abwehr negativ bemerkbar. Postaglandinspiegel und Proteasewerte sind unter Stress erhöht, vermehrte Glukokorticoidausschüttungen (Cortisol) unterdrücken die Immunglobulin A (IgA) und IgG Sekretion. Erhöhte Freisetzung von Adrenalin und Noradrenalin verschlechtern die Durchblutung mit herabgesetzter Gewebereaktion und schlechterer Wundheilung. In der Sulkusflüssigkeit der Zahnfleischtasche konnte ein vermehrter Gehalt von Interleukin-1 (IL-1), das bei der Immunabwehr des Körpers Knochen- und Kollagenabbau stimuliert, festgestellt werden. All diese Einflüsse auf die Immunantwort und das Gewebe ebnen den Weg für eine Parodontitis.

  • Veränderung des Biofilms durch Stress;
  • Die Menge der Spülflüssigkeit in der Zahnfleischtasche (Sulcus-Fliessrate) ist unter Stress herabgesetzt, was die körpereigene Reinigungsfunktion in der entzündeten Tasche herabsetzt und mit einer verstärkten Plaquebildung einhergeht;
  • auch die Zusammensetzung der Bakterien im Biofilm der Zahnfleischtasche verschiebt sich zu ungünstigen Komplexen.

 

Mit Stress assoziierte zusätzliche Risikofaktoren

Es wurde zudem beobachtet, dass starke psychosoziale Belastungen mit anderen schädigenden Faktoren vergesellschaftet sind, die zu einer weiteren Verschlechterung des Parodontitisrisikos führen:

Schwierige Früherekennung

Für den Zahnarzt stellen diese Patienten diagnostisch eine Herausforderung dar. Zum einen kann sich schon zwischen 2 Routineuntersuchungen eine Parodontitis mit erheblichen Folgen entwickeln. Zum anderen trifft es durchaus Patienten, bei denen sonst kaum Risikofaktoren vorliegen, die von ihrem Zahnbett her bisher unauffällig gewesen sind, und damit vom Zahnarzt leicht eine falsche Einschätzung erhalten.

Stressabbau nicht immer realistisch

Therapeutisch ist ein Abbau der Stressbelastung natürlich naheliegend, was aber je nach Lebensumstand nicht einfach zu realisieren ist. Bei rechtzeitiger Diagnose sind stressbedingte Zahnbetterkrankungen aber gut unter Kontrollen zu bringen.


Fazit:

Privater oder beruflicher Stress oder auch Depressionen können sehr starke Auswirkungen auf Entstehung, Verlauf und Prognose einer Parodontitis haben. Diese kann dabei sehr heftig und schnell verlaufen, so dass in einer derartigen Risikokonstellation regelmäßige Zahnarztkontrollen empfohlen werden. Erfolgschancen und Prognose sind bei rechtzeitiger Intervention als gut einzustufen.

Quellen:
H. Lang, Parodontitis durch Stress?!, Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift, 62, 3, 2007
R.J. Genco, A.W. Ho, S.G. Grossi, R.G. Dunford, L.A. Tedesco, relationship of stress, distress, and inadequate coping behaviours to periodontal disease. Journal of Periodontology, 70, 711 (1999)
J Oral Rehabil. 2013 Jan;40(1):60-8. doi: 10.1111/j.1365-2842.2012.02341.x. Epub 2012 Aug 7.
Sateesh C.P. et al., Relationship between stress and periodontal disease, Journal of Dental Sciences and Research Feb 2010. 1:1: Pages 54-61

Bildquelle: Fotolia Monkey Business

Letzte Aktualisierung am Dienstag, 05. Juni 2018



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