Furkationsbefall, Furkationsbeteiligung

Der Furkationsbefall bezeichnet das Überschreiten einer Schwelle beim Knochenverlust an einem mehrwurzeligen Backenzahn (Molar), der als besonders ungünstig angesehen wird.
Als Furkation (griechisch für Gabelung) wird dabei der anatomische Anteil bei einem mehrwurzeligen Zahn bezeichnet, an dem sich die einteilige Zahnkrone in die einzelnen Wurzeln aufteilt. Bei zweiwurzeligen Zähnen (Unterkiefer-Backenzähne) redet man präziser von einer Bifurkation, bei dreiwurzeligen Zähnen (Oberkiefer-Backenzähne) von Trifurkation. Diese Aufteilungsstelle ist bei einem gesunden Zahn komplett vom Knochen ummantelt.

Bei erheblichem Knochenverlust durch eine Parodontitis kann es dazu kommen, dass die Gabelungsstelle der Backenzahnwurzeln nicht mehr (vollständig) durch Knochen bedeckt ist. Es entsteht ein Schlupfwinkel zwischen den Wurzeln, der sogenannte Furkationsbefall, in dem sich Bakterien aufhalten, die sich pflegerischen und therapeutischen Massnahmen weitesgehend entziehen. Die Prognose für einen Zahn mit Furkationsbeteiligung der Parodontose ist schlecht.

Diagnose durch Sondierung

Als Patient erkennt man einen Furkationsbefall nicht, da das Zahnfleisch diesen Bereich zumindest am Anfang vollständig abdeckt. Auch der Zahnarzt kann durch alleinige Inspektion meist keine Diagnose stellen, dafür ist eine gezielte Untersuchung mit einer Sonde notwendig. Es gibt hierfür sogar spezielle Parodontalsonden für die Diagnostik der Furkation: sogenannte Kuhhornsonden, die leicht gebogen sind und sich dadurch leichter zwischen die Gabelung der Wurzeln einführen lassen.

Der Schweregrad einer Furkationsbeteiligung wird wie folgt eingeteilt:

  • Grad 0 keine Furkationsbeteiligung sondierbar
  • Grad 1 Eindringtiefe bis 3mm
  • Grad 2 Eindringtiefe > 3mm aber nicht komplett durchgängig bis zur Gegenseite
  • Grad 3 Durchgängige Furkation, kein Knochengewebe mehr an der Wurzelgabelung

Bei einer Bifurkation wird in beiden Richtung von der Wangen und der Zungenseite gemessen. Bei der Trifurkationsmessung sind theoretisch 6 Messrichtungen möglich.

Furkation im Röntgenbild

   
 
Furkationsbeteiligung aber
auch starker Knochenverlust
am Zahn davor
 

Das Röntgenbild zeigt im Oberkiefer keine ganz sicheren Hinweise auf Furkationsbeteiligung im Frühstadium. Durch die drei Wurzeln der Oberkieferbackenzähne kommt es bei einer zweidimensionalen Röntgenaufnahme (typischer Zahnfilm) zu einer Überlagerung der Wurzeln: der Bereich zwischen den Wurzeln wird überdeckt. Bei der neueren Methode des Röntgens, dem DVT ist auf Grund der dreidimensionalen Aufnahme der Furkationsbereich besser darzustellen. Aber hier sind die Strahlenbelastungen und die Kosten höher, so dass Aufwand, Risiko und Nutzen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen. Die Furkation zweiwurzeliger Zähne ist im Röntgenbild (siehe links) meist recht gut beurteilbar und ergänzt die Sondendiagnostik.

Therapie des Furkationsbefalls

Die grundsätzliche Behandlung erfolgt auf Basis der wurzelglättenden und desinfizierenden allgemeinen Parodontitisbehandlung. Die Behandlung des Furkationsbereiches ist dabei technisch besonders anspruchsvoll. Ein fataler Punkt bleibt die schlechte Pflegbarkeit dieser Schlupfwinkelinfektion. Da die Bakterien nicht eliminiert werden können, führen sie ihr Zerstörungswerk unkontrollierbar fort.

Das naheliegende Ziel, den verloren gegangenen Knochen im Bereich der Furkation durch regenerative Massnahmen wie Guided Bone Regeneration GBR, Guided Tissue Regeneration (GTR) wiederherzustellen, konnte gerade beim Schweregrad 3 nicht verlässlich erreicht werden.

Fazit:
Die Prognose einer Furkationsbeteiligung ist abhängig vom Grad des Befalls und der Lokalistaion. Während ein Grad 1 sich bei einer allgemein gut ansprechenden Therapie als unproblematisch zeigen kann, ist ein Grad 3 bei einer Trifurkation an einem Oberkieferbackenzahn im Grunde nicht therapierbar.

 

Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, Die Klassifikation der Parodontalerkrankungen, Quintessenz Verlag, 1. Auflage (10. Juni 2013)
H. F. Wolf, K. u. E.M. Rateitschak, Band 1: Parodontologie: Farbatlanten der Zahnmedizin Thieme; 3. Auflage (2012)
H.-C. Plagmann; Lehrbuch der Parodontologie, Carl Hanser Verlag München Wien (1998)
Detlef Heidemann, Praxis der Zahnheilkunde Band 4, Parodontologie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH; Auflage: 4 (1. März 2005)

Letzte Aktualisierung am Mittwoch, 06. Juni 2018



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