Membranformen für die GTR

Membranen für den gesteuerten Gewebeaufbau in der Parodontalchirurgie oder auch einen Knochenaufbau z.B. für Zahnimplantate haben die Aufgabe, eine Trennschicht zwischen schnell wachsenden Geweben (Bindegewebe, Schleimhautepithelzellen) und langsam wachsenden Strukturen wie dem Knochen zu errichten, damit das langsame Gewebe eine Chance hat, Defektbereiche wieder zu erobern. Im Idealfall schirmt die Membran sogar den "Hohlraum" stützend ab, um eine Neubildung des Zahnhalteapparates inklusive Desmodont zu erzielen.

Welche Voraussetzungen muss eine Membran erfüllen?

  • sichere Trennfunktion über die Regenerationszeit (mind. 6 Wochen)
  • gegebenenfalls auch stabil genug, um Räume abzusichern
  • absolute Gewebeverträglichkeit, darf keine Entzündungen verursachen

Für die Parodontologie und Implantologie gibt es 2 Arten von Membranen, die bei der gesteuerten Geweberegeneration eingesetzt werden können:

Nicht resorbierbare Membranen

Zu den nicht resorbierbaren Membranen gehört vor allem die Teflonmembran aus e-PTFE (z.B. GoreTex®). Diese gibt es homogen oder auch verstärkt mit Titanstützen, damit sie einen Hohlraum dauerhaft absichern kann und nicht zusammenfällt.

Vorteile nicht resorbierbarer Membranen:

  • guter raumabsichernder Effekt und stabil
  • sichere Entfernung des Fremdmaterials möglich; keine Reste bleiben im Körper zurück

Nachteile nicht resorbierbarer Membranen:

  • ein 2. chirurgischer Eingriff zur Entfernung ist notwendig

    • dadurch wird das frisch gebildete Gewebe traumatisiert
    • für den Patienten unangenehm.

  • ungenügende Gewebeintegration, d.h. es besteht eine hohe Gefahr der Membranexposition während der Wundheilung und damit Minderung der Erfolgschancen.

Resorbierbare Membranen

Wie der Name schon sagen, haben resorbierbare Membranen die Eigenschaft, sich nach und nach selber aufzulösen bzw. vom Körper abgebaut zu werden. Für diese Eigenschaft kommen sowohl natürliche als auch synthetischen Materialien infrage.

Die natürlichen sind die Kollagenmembrane. Das Kollagen kann dabei vom Rind (BioMend® oder Paroguide®) oder vom Schwein (BioGuide® oder BioGuidePerio®) kommen. Der Abbau der Membran erfolgt über enzymatische Hydrolyse der Peptidbindungen durch Kollagenasen (Kollagen-abbauende Enzyme).

Die synthetischen Membranen sind aus Polylaktidsäure (Atrisorb® oder EpiGuide®) oder aus Laktid-Glykolid-Kopolymeren (ResolutX® oder Vicryl®-Netz). Der Abbau erfolgt hier durch hydrolytische Spaltung der Esterbindungen nach Zutritt von Wasser. Bei Laktid-Glykolid-Kopolymeren scheint die Abbaurate besser auf die Regenerationszeit der Gewebe eingestellt zu sein.

Vorteile von resorbierbaren Membranen:

  • zuverlässige Barrierefunktion
  • kein 2. chirurgischer Eingriff notwendig -> Schonung des noch frischen und nicht ausgereiften Gewebes und des Patienten
  • gute Gewebeintegration möglich, d.h. die Membranexposition ist selten und damit besteht eine geringere Gefahr der Infektion

Nachteile von resorbierbaren Membranen:

  • lokale zelluläre Entzündungsreaktion infolge des Resorptionsvorgangs möglich
  • ggf. verbleibendes Restmaterial, das eine Fremdkörperreaktion auslösen kann
  • die mechanische Stabilität ist bei den meisten Formen nicht so gut wie bei den nicht resorbierbaren Membranen
  • zeitliches Management zwischen der Abbaugeschwindigkeit und dem notwendigen Verbleiben für die Regeneration ist schwierig abzustimmen.
  • Polylaktid baut sich sehr langsam ab, dadurch ist eine Fremdkörperreaktion erhöht


Fazit:
Membranen sind als Trennschicht für die Geweberegeneration unverzichtbar. Auflösende und nicht auflösende Membranarten haben ihre Vor- und Nachteile. Hier spielt die Erfahrungen des Behandlers in der Handhabung die wesentliche Rolle bei der Entscheidung. Resorbierbare Membrane haben für den Patienten in jedem Fall den Vorteil, den 2. Eingriff zur Entfernung zu vermeiden.

 

Literatur:
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Bartold PM1, Gronthos S, Ivanovski S, Fisher A, Hutmacher DW.; Tissue engineered periodontal products. J Periodontal Res. 2015 Apr 21.
Sculean A, Nikolidakis D, Nikou G, Ivanovic A, Chapple IL, Stavropoulos A.; Biomaterials for promoting periodontal regeneration in human intrabony defects: a systematic review. Periodontol 2000. 2015 Jun;68(1):182-216.

Letzte Aktualisierung am Dienstag, 12. Juni 2018



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