Behandlung eines Zahnfleischrückgangs (Rezessionsdeckung)

Ein Zahnfleischrückgang (Rezession) sorgt für einen unharmonischen Zahnfleischverlauf, empfindliche, freiliegende Zahnhälse und eine erhöhte Gefahr für Wurzelkaries. Alles gute Gründe, eine Behandlung vorzunehmen: die Rezessionsdeckung. Da eine solche Behandlung aber durchaus aufwändig, unangenehm und langwierig ist, entschließen sich Patienten meist nur bei ästhetisch sehr störendem Zahnfleischrückgang für eine plastische Deckung der Zahnhälse.

unschön verlängerte Zähne durch Rezessionen  
Rezessionen stören den harmonischen
Zahnfleischverlauf (rot-weiß-Ästhetik)
 

Erfolgskriterium Zahnzwischenraum: die Miller-Klassifikation

Eine wesentliche Aussagekraft für die Prognose einer Rezessionsdeckung ist das Vorhandensein von Zahnfleisch zwischen den Zähnen (Zahnfleischpapille). Nur dann wird eine Behandlung des Zahnfleischrückgangs ästhetisch erfolgreich sein. Der Parodontologe Miller hat eine Klassifikation erstellt, anhand dieser die Prognose für eine erfolgreiche Rezessionsdeckung abgeschätzt werden kann:

Klasse I
  • Rezession reicht nicht bis zum Übergang zur beweglichen Gingiva
  • im Zahnzwischenraum kein Verlust von Zahnfleisch
  • hier ist eine vollständige Deckung möglich
Klasse II
  • Rezession reicht bis zum Übergang oder sogar bis in die bewegliche Gingiva
  • im Zahnzwischenraum kein Verlust von Zahnfleisch
  • hier ist eine vollständige Deckung möglich
Klasse III
  • im Zahnzwischenraum ist auch Verlust von Zahnfleisch
  • es liegen zusätzlich Zahnfehlstellungen vor
  • eine Deckung kann hier teilweise möglich sein; die Papillenrekonstruktion im Zahnzwischenraum ist eher aussichtslos
Klasse IV
  • Kombination aus fortgeschrittenem Zahnfleischrückgang an mehreren Seiten des Zahnes; meist verbunden mit horizontalem Knochenabbau
  • ausgeprägte Zahnfehlstellungen vorhanden
  • hier ist eine Deckung nicht möglich

 

Das Ziel einer Rezessionsdeckung ist ein farblich und strukturell gut angepasstes Zahnfleisch, das bis zum Übergang von Zahnwurzel zu Zahnkrone sicher anliegt. Wichtig ist zudem genügend befestigte (harte) Gingiva zu sichern, die frei von Entzündungszeichen ist. Verschiedene Verfahren sind effektiv, wobei die Verwendung eines BGT (s.u.) die stabilsten Langzeitergebnisse aufweist.

Das freie Schleimhauttransplantat (FST)

Um einen Rezessionsdefekt zu verschließen kann das fehlende Zahnfleisch durch ein Schleimhauttransplantat ersetzt werden, das am Gaumen entnommen wird, mit dem vorhandenen Zahnfleisch und speziellen Nahttechniken verbunden wird und dort einheilt. Die Entnahmstelle des FST besteht aus Zahnfleisch (Bindegewebe inkl. Epithel) und kann länger schmerzen.
Mehr über das freie Schleimhauttransplantat (FST).

Das freie Bindegewebstransplantat (BGT)

Eine andere Option der Gewebeverpflanzung ist das Bindewebstransplantat. Es wird ebenfalls aus dem Zahnfleisch am Gaumen entnommen (kann länger weh tun), enthält aber keine oberflächliche Schicht (Epithel), dafür aber mehr volumenstabiles Bindegewebe und eignet sich daher auch für die Aufpolsterung von Knocheneinziehungen.
Mehr zum Thema Bindewebstransplantat (BGT)

Verschiebelappen

Anders als bei den Zahnfleischverpflanzung wird beim Verschiebelappen das um den Zahn vorhandene Zahnfleisch verwendet. Durch plastisch-operative Schnitte wird es mobilisiert und an die optimale Position verlegt.
Mehr zum Verschiebelappen.

Zusätzliche regenerative Maßnahmen

In Verbindung mit einem Verschiebelappen können zusätzlich regenerative Maßnahmen zur Verbesserung der Zahnfleischhaftung an die Wurzeloberfläche eingesetzt werden. Insbesondere Schmelz-Matrix-Proteine (Emdogain®) zeigen adjuvant gute Ergebnisse bei der Wurzeldeckung.

Kosten: Privatleistung

Wie eigentlich alle ästhetischen Operationen sind auch diese Eingriffe reine Privatleistungen und werden nicht von der gesetzlichen Versicherung getragen. Siehe auch private Kosten bei Parodontose.

Fazit:
Rezessionen können nur erfolgreich therapiert werden, wenn der Zahnzwischenraum noch mit Zahnfleisch gefüllt ist. Auch dann sind die Eingriffe aufwändig, schmerzhaft (evtl. Entnahmestelle des Transplantats) und langwierig im Heilverlauf. Die Kosten sind privat zu tragen.

Quellen:
B. Greven, B. Heinz, Plastisch-ästhetische Parodontalchirurgie: Deckung gingivaler Rezessionen, Zahnmedizin Up2date 4(3):259-279, Theime-Verlag, 2010
A. Kasaj, Plastische Parodontalchirurgie - Möglichkeiten und Grenzen, NAgP-News, 19. Jahrgang, 2010

Letzte Aktualisierung am Dienstag, 12. Juni 2018



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