Zahnfleischentzündung/Zahnfleischreizung durch Kronenränder, Prothesen oder in der Schwangerschaft

Meist ensteht eine Gingivitis durch bakterielle Besiedelung am Zahnfleischsaum (Zahnbeläge, Plaque), also durch nicht ausreichende Mundhygiene. Andere Ursachen sind Zahnkronen, die entweder schlecht an das Zahnfleisch angepasst sind, oder eine Materialunverträglichkeit die für eine Reizung sorgt. Daneben kommen hormonelle Einflüsse, Mangelernährung oder Fremdkörper in Frage. Als reine Zahnnfleischentzündung ist der Knochen nicht betroffen, daher ist eine Ausheilung gut zu erzielen.

Anzeichen einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis)

  • Zahnfleisch ist angeschwollen, dunkelrot bis bläulich-düster verfärbt;
  • Zahnfleischbluten auf Berührung, Zähneputzen, oder Sondieren durch den Zahnarzt;
  • erhöhte Taschentiefe möglich (Pseudotasche);
  • bei schweren Verläufen auch Zahnfleischdefekte (Ulzera);
  • Sulkusflüssigkeit: Fliessrate erhöht.

Die Abgrenzung der Zahnfleischentzündung gegenüber einer chronischen Parodontitis erfolgt leicht durch Parodontose-Screening und Röntgendiagnostik.

Zahnfleischentzündung durch Zahnersatz/Kronen

Nicht selten kommt es bei der Versorgung mit Zahnkronen zu Zahnfleischreizungen, bei der das Zahnfleisch einen dunkelroten Saum um den Kronenrand entwickelt.

Zahnfleischentzündung an Kronenrändern

Ursächlich für diese Art von Zahnfleischreizungen sind 2 Faktoren:

  • zu tief unter das Zahnfleisch versenkte Kronenränder, die das Zahnfleisch bei der normalen Entfaltung stören oder
  • Unverträglichkeit auf Materialbestandteile des Zahnersatzes.

Im ersten Fall kommt therapeutisch eine Wiederherstellung der sogenannten biologischen Breite, der natürlich Abstand zwischen Knochen und Schmelz-Zementgrenze des Zahnes (hier: Kronengrenze) infrage, durch:

  • Erneuerung der Kronen unter Beachtung der biologischen Breite
  • evtl. eine raumschaffende Korrektur der Knochengrenze durch eine Osteoplastik.

Bei einer Unverträglichkeit ist der Kronenaustasuch unter Austestung der Materialien notwendig.

Hormonelle Ursachen, Schwangerschaftsgingivitis

Die Ursache hier ist eigentlich eine Zahnfleischentzündung durch Plaque bei der die entzündliche Reaktion durch Hormone in der Pubertät, Schwangerschaft erheblich verstärkt werden. Eine Zahnfleischentzündung in der Schwangerschaft ist daher nicht selten, zumal entweder wegen "wichtigerer Dinge" die eigene Zahnpflege vernachlässigt wird, oder aus Angst, Fehler zu machen, die Pflege bei Zahnfleischbluten zurückgefahren wir, was genau falsch ist.

Schwere Allgemeinerkrankungen, Mangelernährung

Grundsätzlich können Erkrankungen, die mit einer Schwächung des Immunsystems einhergehen eine Ginigivitis auslösen können. Zu diesen schweren Allgemeinerkrankungen zählen u.a.:

  • der schlecht eingestellter Diabetes
  • Immunschwäche durch Vitaminmangel und Auszehrung (z.B. Magersucht)
  • AIDS
  • Leukämien/Leukosen

Zahnfleischentzündungen ohne Plaque

Akute, bakterielle Zahnfleischentzündungen können auch andere Ursachen haben, die zwar nicht durch Plaque und Biofilm ausgelöst werden, aber letztendlich doch durch Reinigung zu behandeln sind:

  • Eingepresste Nahrungsreste (Food Impaction) können eine akute Zahnfleischentzündung auslösen.
  • Zahnfleischentzündungen um durchbrechende Zähne, meist Weisheitszähne (Schlupfwinkelinfektion) und
  • eine Infektion mit bestimmten, sehr aggressiven Bakterien die NUG, die aber auch in die Tiefe geht.

Zusammenfassung:
Eine Zahnfleischentzündung wird häufiger durch Plaque hervorgerufen als durch andere Faktoren. Da die Erkrankung nicht in die Tiefe geht, heilt die Gingivitis nach Beseitigung der Ursache (z.B. Versorgung mit neuen Kronen bzw. Zahnersatz) aus und hinterlässt keine Schäden.

 

Literatur:
Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, Die Klassifikation der Parodontalerkrankungen,, Quintessenz Verlag, 1. Auflage (10. Juni 2013)
H. F. Wolf, K. u. E.M. Rateitschak, Band 1: Parodontologie: Farbatlanten der Zahnmedizin Thieme; 3. Auflage (2012)
Jamal M Stein, Georg Conrads et al., Moderne Parodontologie in der Praxis: Band 1: Grundlagen, Klassifikation und Diagnostik, Spitta Verlag, 2010

Letzte Aktualisierung am Dienstag, 05. Juni 2018



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