Porphyromonas gingivalis

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Markerkeim Porphyromonas gingivalis (P.g.)

Porphyromonas gingivalis ist einer der wichtigsten Bakterien und der Leitkeim für schwere und auch aggressive Formen der Parodontitis und damit für den Verlust von Zähnen verantwortlich. Er gehört zu dem „roten Komplex“ zusammen mit Tanerella forsythia und Treponema denticola, deren Auftreten fast immer mit erheblicher Entzündung, hohen Taschentiefen, Blutungen (BOP) und Attachementverlust verbunden ist.

Wissenschaftlicher Steckbrief von Porphyromonas gingivalis (P.g.)

  • ehemaliger Name: Bacteroides gingivalis
  • seit 1986 geändert
  • gehört zur Gruppe der schwarzpigmentierten Bakterien
  • unbewegliches, asaccharolytisches, kokkoides Stäbchen
  • anaerob, d.h. benötigt keinen Sauerstoff
  • gramnegativ
  • oberhalb und unterhalb des Zahnfleischrandes in der Plaque zu finden
  • Parodontits-Aktivität: ++++
  • nachweisbar in den praxisüblichen parodontologischen Bakterientests

Wirkweise von Porphyromonas gingivalis auf den Zahnhalteapparat

Porphyromonas gingivalis greift durch die Produktion von verschiedenen Proteasen (Eiweiss-zersetzende Enzyme, speziell Gingipain) das Gewebe an und beeinflusst zudem eine große Anzahl von Immunabwehrmechanismen, die sich zusätzlich negativ auf den eigenen Körper auswirken.
Siehe Kapitel: Infektion und Abwehr.

Zum Einen wird die Extrazellulärmatrix (ist in jeder Art von Gewebe vorhanden) abgebaut bzw. die MMP’s, (MatrixMetalloProteinasen, eiweissabbauende Enzyme), die am Gewebeumbau beteiligt sind, werden aktiviert. Ein anderer Weg ist die De- bzw. Überaktivierung der Komplementkaskade (ein Teil der Immunabwehr). Oder es wird die Freisetzung von weiteren Botenstoffen (Kollagenen, Lipopolysaccharide) oder Gewebshormonen (Prostaglandine, Interleukin, Tumornekrosefaktor) gefördert, wodurch dann der Kollagen- oder Knochenabbau indirekt aktiviert wird.

Morbus Alzheimer durch Porphyromonas gingivalis und Gingipain

Der Nachweis von Porphyromonas gingivalis und Gingipain, ein Eiweiss-spaltendes Enzym, das von P.g. produziert wird, in Gehirn und Rückenmarksflüssigkeit von Alzheimer Patienten hat eine wissenschaftliche Diskussion entfacht, ob Morbus Alzheimer durch diesen Parodontitiskeim begünstigt bzw. ausgelöst wird. Hier sind weitere große Studien zum Thema Parodontose und Alzheimer in Vorbereitung.

Therapiemöglichkeiten:

Neben der  konservativen mechanischen Reinigung (Parodontosebehandlung), kann bei Nachweis einer erhöhten Konzentration von Porphyromonas gingivalis und erheblichen  Entzündungszeichen eine zusätzliche orale Verabreichung eines Antibiotikums (Tablettenform) sinnvoll sein.

Porphyromonas gingivalis ist empfindlich gegen folgende Antibiotika:

Literatur:
Anne D. Haffajee, Systemic Anti-Infective Periodontal Therapy. A Systematic Review, Annals of Periodontology, December 2003, Vol. 8, Nr. 1, 115-181
Mariano Sanz et al., Methods of detection of Actinobacillus actinomycetemcomitans, Porphyromonas gingivalis and Tannerella forsythensis in periodontal microbiology, with special emphasis on advanced molecular techniques: a review. Clinical Periodontology, Volume 31, Issue 12, December 2004, 1034–104
Wissenschaftliche Stellungnahme: Adjuvante Antibiotika in der Parodontitistherapie, Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde, DZZ (2003)
Stanley C. Holt and Jeffrey L. Ebersole, Porphyromonas gingivalis, Treponema denticola, and Tannerella forsythia: the ‘red complex’, a prototype polybacterial pathogenic consortium in periodontitis, Periodontology 2000, Volume 38, Issue 1, pages 72–122, June 2005

Stephen S. Dominy1,*,†, Casey Lynch1,*, Florian Ermini1, Malgorzata Benedyk et al.
Porphyromonas gingivalis in Alzheimer’s disease brains: Evidence for disease causation and treatment with small-molecule inhibitors
Science Advances 23 Jan 2019: Vol. 5, no. 1, eaau3333, DOI: 10.1126/sciadv.aau3333