Antibiotikatherapie der Parodontose mit Amoxicillin

Amoxicillin gehört zu der Gruppe der Aminopenicilline, und ist seit 1981 auf dem deutschen Markt zugelassen. Sein Wirkspektrum erstreckt sich zwar über viele Bakterienarten (Breitbandantibiotikum), bei der Behandlung der Parodontose nutzt man vor allem seine Wirksamkeit gegenüber dem Markerkeim Aggregatibacter actinomycetemcomitans (A.a.).

Viel eingesetzt: Resistenzen häufig

Sein häufiger Einsatz (Atemwegserkrankungen, Harnwegsinfeke) hat die Resistenzrate ansteigen lassen.
Das von vielen Bakterien produzierte Enzym Beta-Lactamase inaktiviert Amoxicllin. Zum "Schutz" gibt es aber den Beta-Lactamase-Hemmstoff Clavulansäure, der in Kombination gegeben werden kann (z.B. Augmentan®) und die Wirksamkeit von Amoxicillin deutlich erhöht.

Amoxicillin: wirksam auch gegen den Markerkeim A. acinomycetemcomitans  
Struktur des ß-Lactam-Antibiotikums
Amoxicillin
 

Wirksam gegen Aggregatibacter actinomycetemcomitans (A.a.)

Amoxicillin wirkt bakterizid, (bakterienabtötend) indem es die Zellwandsynthese von Bakterien hemmt. Es ist mit Ciprofloxacin das einzige wirksame Antibiotikum gegen den Parodontitis-Markerkeim Aggregatibacter actinomycetemcomitans (A.a.). Da es anders als Ciprofloxacin kein Reserveantibiotikum (für schwere Allgemeininfektionen) ist, sollte es bevorzugt bei Parodontitisinfektion mit A.a. eingesetzt werden. Die Resistenzlage ist übrigens bei A.a. noch als günstig einzustufen.

Kombination mit Metronidazol meist notwendig

Da Amoxicillin gegen die meisten anderen Parodontitisbakterien nicht ausreichend wirksam ist, erfordert deren Vorhandensein (Bakterientest) meist die Kombination mit dem Antibiotikum Metronidazol (auch "van-Winkelhoff-Cocktail" genannt). Van-Winkelhoff war der Behandler, der diese Wirkstoffkombination erstmalig beschrieben hatte. Diese Kombination wird auch bei schweren Infektionen gerne eingesetzt, wenn die Ergebnisse einer bakteriologischen Testung nicht abgewartet werden.
Im Umkehrschluss ist die Gabe von Amoxicillin bei Abwesenheit von A.a. unsinnig.

Nebenwirkungen: Allergien nicht selten

Neben typischen Nebenwirkungen der Antibiotika wie Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Durchfall) sind Allergien gegen Amoxicillin keine Seltenheit. Hautauschläge sind typisch. Mögliche Kreuzallergien mit anderen Penicillinen ist zu beachten.

Dosierung von Amoxicillin bei Parodontitis

 
Amoxi: alle 8 Stunden einzunehmen
 

Amoxicillin als alleinige Gabe (wenn A.a. der einzige Keim ist):

  • 3x500mg pro Tag für 14 Tage

Bei Mischinfektionen mit A.a. und anderen Markerkeimen:

  • Amoxicillin 3x500mg + Metronidazol und 3x400mg pro Tag über 7 Tage

 

Quellen:
T. Beikler, H. Karch, T.F. Flemmig, Münster, Gemeinsame Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten(DGZMK) und der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP). 2003
Arie J. van Winkelhoff, Carolien J. Tijhof, and J. de Graaff, Microbiological and Clinical Results of Metronidazole Plus Amoxicillin Therapy in Actinobacillus actinomycetemcomitans-Associated Periodontitis, Journal of Periodontology, January 1992, Vol. 63, Nr. 1, 52-57
Anne D. Haffajee, Systemic Anti-Infective Periodontal Therapy. A Systematic Review, Annals of Periodontology, December 2003, Vol. 8, Nr. 1, 115-181

Bildquelle: Fotolia molekuul.be

Letzte Aktualisierung am Freitag, 08. Juni 2018



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