Gingivahypertrophie, Gingivahyperplasie, Zahnfleischwucherung

Eine gewisse Gingivavergrösserung im Sinne einer Schwellung ist als typisches Entzündungszeichen bei einer plaqueinduzierten Gingivitis oder Gingivoparodontitis zu beobachten. Diese Entzündungsreaktion muss man von Zahnfleischwucherungen anderer Genese abgrenzen: der Gingivahypertrophie, Gingivahyperplasie. Obwohl die Gingivahypertrophie nicht mit einem Knochenabbau verbunden ist, kann sie typische Zeichen einer Parodontitis aufweisen: starke Reaktion auf äussere Reize, kombiniert mit erschwerter Pflegbarkeit und deutlichen Entzündungszeichen. Auch sind die Sondierungstiefen, ein wichtiges diagnostisches Kriterium der Parodontitis, erhöht, was nicht dem Knochenabbau geschuldet ist sondern der Zahnfleischverdickung. Es handelt sich also um sogenannte Pseudotaschen. Alles in allem ist die Zahnfleischhypertrophie als Differentialdiagnose zur Parodontitis nicht zu unterschätzen.

Gingivahypertrophie  
Gingivahypertrophie bei Metalldraht,
Kieferorthopädische Behandlung
 

Medikamentös induzierte Gingivahypertrophie

Bestimmte Medikamente wie Blutdrucksenker aus der Gruppe der Calcium-Antagonisten (Nifedipin z.B. Adalat®, Nitrendipin), Antiepileptika (Phenytoin, Phenhydan) oder Immunsuppressiva (Cyclosporine) lösen häufig eine Gingivahypertrophie aus. Die Hyperplasie erklärt sich durch die Zunahme von Fibroblasten und deren Produktion von Substanzen, die zur Zahnfleischvergrößerung führen.

Überbrückung von Hohlräumen (Vakatwucherung)

Bei einigen Menschen kann man die Neigung des Zahnfleischs erkennen, Hohlräume (z.B. kleinere Zahnlücken oder Räume zwischen Zahnfleisch und Zahnersatz, Metallstegen, festsitzende Zahnspangen (Brackets) und Kieferkamm, auszufüllen. Solche Vakatwucherungen sind zwar harmlos, können aber ästhetisch störend und schwierig zu therapieren sein.

Zahnfleischwucherung durch Reiz (Epulis)

Das Zahnfleisch kann durch chronische Reize wie z.B. durch überstehende Füllungsränder oder Fremdkörper punktuell zum Wachstum angeregt werden. Solche lokalen Zahnfleischwucherungen können eine erhebliche Größe annehmen und sowohl ästhetisch als auch funktionell sehr störend sein. Das Zahnfleisch ist dabei meist unreif, entzündlich und durch eine erhöhte Blutungsneigung charakterisiert. Es ist eine Art Extremform einer lokalisierten Zahnfleischentzündung. Die Therapie liegt sowohl im Abtrag des Zahnfleisches als auch besonders in der Elimination der Reizursache.

Systemerkrankungen und genetische Ursachen

Bestimmte Allgemeinerkrankungen können ebenfalls mit einer Vergrösserung des Zahnfleisches einhergehen.

 

Fazit:
Der Krankheitswert der Gingivahypertrophie ist zwar gering, doch ist die Erscheinung oftmals eindrucksvoll und wird aufgrund der Entzündungszeichen gerne für eine Parodontitis gehalten- eine Fehldiagnose mit falschen therapeutischen Konsequenzen.

 

Literatur:
Nevins, M., Mellonig, J.T.: Parodontaltherapie, Erfolgreiche klinische Methoden, Quintessenz Berlin,1999
H. F. Wolf, K. u. E.M. Rateitschak, Band 1: Parodontologie: Farbatlanten der Zahnmedizin Thieme; 3. Auflage (2012)
H.-C. Plagmann; Lehrbuch der Parodontologie, Carl Hanser Verlag München Wien (1998

Letzte Aktualisierung am Dienstag, 05. September 2017



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