Wiederaufbau parodontaler Defekte

Die Heilung im Sinne einer vollständigen Wiederherstellung des Zahnbetts ist das erklärte Ziel einer Parodontosebehandlung. Wenn die Zahnfleischerkrankung nur oberflächlich war, ist dies sicherlich im Tahmen des Möglichen. Wenn es jedoch zu einem starken Knochenabbau gekommen ist, hat der Körper keinen Bauplan für eine Wiederherstellung. Im allgemeinen werden Hohlräume zwar ausgefüllt, aber die (Knochen-)Oberfläche wieder zu vergrößern, ist nicht vorgesehen.
Hier muss man dem Körper mit einer gesteuerten Knochen- bzw. Geweberegeneration zu Hilfe eilen. erreichen. Die Erfolge können sich durchaus sehen lassen, allerdings übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen diese Art von Behandlungen nicht, es sind also Privatleistungen.

Zahnfleischverlust? Rekonstruktion mit eigenem Gewebe

Prinzipiell wird hier das noch ausreichend vorhandene Gewebe (Zahnfleisch) aus dem Umfeld genutzt, um das verloren gegangene Gewebe wieder zu rekonstruieren. Dazu gehören_

Was kann man bei Knochenverlust tun?

Die gesteuerte Geweberegeneration (GTR)

Hierbei wird der eigene Knochen in den Defektbereich wieder hinein "geführt". Das funktioniert über das Schaffen von abgesicherten Hohlräumen, in die sich selbst langsames Gewebe wie Knochen wieder ausdehnen kann, ohne dass es durch Zugriff der schnelleren Gewebe (Zahnfleisch, Binde- oder Narbengewebe) verdrängt werden kann. Der Schutz des Gewebes und des Hohlraums übernehmen Membrane, das sind dünne, biologisch verträgliche Schutzbarrieren, die Zwischen Zahnfleisch und Knochen eingebracht werden. Sie dienen bei der

Der geführte Gewebeaufbau ist vor allem bei tieferen Knochentaschen (> 4mm) erfolgreich, wenn der Defekt eng und tief (vertikaler Knocheneinbruch entlang der Wurzel) ist. Bei Flachen, muldenförmige Defekte sind die Ergebnisse nicht befriedigend. Angewendet wird die GTR auch bei Furkationsbeteiligung bis zu Grad II an Molaren. Unterstützend können Knochenersatzmaterialien (zur Defektfüllung) eingesetzt werden.

Regeneration durch Wachstumsfaktoren oder Emdogain

Hier wird der Wunsch durch ein "Mittel" wieder geheilt zu werden fast zur Realität. Tatsächlich lassen sich durch die Applikation von bestimmten Präparaten Zahnbettstrukturen bis zu einem gewissen Grad wiederherstellen. Allerdings reicht es nicht, eine Pille zu schlucken. Auch hier ist eine chirurgischer Eingriff nötig, um die Präparate sauber und exakt an Ort und Stelle zu platzieren. Verwendung finden:

Schmelz-Matrix-Proteine

Schmelz-Matrix-Proteine (Emdogain®) werden aus porcinen Zahnkeimen gewonnen und sind in der Lage, desmodontales Gewebe, d.h. Strukturen des Zahnhalteapparates zur Regeneration anzuregen. Es gibt sehr viele Studien, die den Erfolg dokumentieren.

Wachstumsfaktoren

Im Bereich der Wachstumsfaktoren wird seit einigen Jahren intensiv geforscht. Die Möglichkeit, durch gezielte Applikation von Botenstoffen, Aufbau- und Heilprozesse in Gang zu setzen, ist bestechend. Zurzeit ist zwar schon ein Produkt in den USA erhältlich, für den deutschen Markt besteht noch keine Zulassung.
Die erfolgreiche Forschung in dieser Richtung lässt die Hoffnung auf ein "Wundermitteln" berechtigt erscheinen.

Fazit:
Eine parodontale Regeneration bei größeren Defekten ist zur Zeit nur mit GTR und Schmelz-Matrix-Proteinen möglich. Beide sind von den Ergebnissen ähnlich gut einzustufen, allerdings von Ihren Indikationen auch begrenzt. Durch den durchaus hohen chirurgischen Anspruch und den nicht unerheblichen Kosten, sollte eine strenge Indikationsstellung für Fälle mit guter Prognose getroffen werden.

 

Quellen:
F. Wolf, K. u. E.M. Rateitschak, Band 1: Parodontologie: Farbatlanten der Zahnmedizin Thieme; 3. Auflage (2012)
R. Bürgers, M. Gosau, T. Gerlach, Regenerative Parodontalchirurgie, ZMK Parodontologie,2011
S. Jepsen, B. Heinz, H. Wachtel, Gemeinsame Stellungnahme der DGP/DGZMK zum Thema: Regenerative Therapie mit einem Schmelzmatrixprotein, 2000
P. Eickholz, B. Dannewitz, Glossar der Grundbegriffe für die Praxis, regenerative Parodontalchirurgie Teil 4: Bioaktive Wirkstoffe: Differenzierungs- und Wachstumsfaktoren, Schmelzmatrixprotein, Parodontologie 20(1):71-77, Quintessenzverlag, 2009

Letzte Aktualisierung am Freitag, 30. September 2016



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