Taschentiefe, Sondierungstiefe, Zahnfleischtaschen

Die Sondierungstiefen bzw. Taschentiefen gelten als Maß für die Entzündungsaktvität und den entsprechenden Knochenabbau an einem Zahn. Sie zeigt den Abstand vom Zahnfleischrand bis zum sondierbaren Taschenboden (Anfang des Knochens) an und misst damit die Tiefe einer Zahnfleischtasche.

Sondierungstiefe (Taschentiefe) mit Knochenabbau
Sondierungstiefe (Taschentiefe) steigt mit dem Ausmaß der Entzündung

Das Untersuchungsinstrument, mit der die Taschentiefe gemessen wird, ist die Parodontalsonde. Sie hat ein abgerundetes, kugelförmiges Ende, damit beim Einführen der Sonde in den Zahnfleischsaum (zwischen Wurzel und Zahnfleisch) keine Verletzungen entstehen.
Eine Sondierungstiefe von bis zu 3mm gilt als unauffällig-gesund.

Gesundes Zahnbett: Zahnfleisch ist straff, ohne Zahnfleischtasche

Im gesunden Zahnhalteapparat liegt das Zahnfleisch straff an der Zahnwurzel an. Beim Einführen der Sonde wird bereits nach 1-2, spätestens 3mm ein Grenze zum Knochen erreicht. Schon bei einer Zahnfleischentzündung erhöhen sie dich Sondierungswerte, das es anschwillt. Typisch ist auch ein Zahnfleischbluten bei Einführen der Sonde (BOP-Positiv).
Bei Parodontitis mit Knochenverlust erhöhen sich die Werte, im Extremfall (bis zur Wurzelspitze), also auch über 10mm. Ab Taschentiefen von über 6 mm ist eine schwere Parodontitis zu diagnostizieren.
Bei angeschwollenem Zahnfleisch kann die Sondierungstiefe auch ohne Knochenverlust oder Entzündung erhöht sein. Man spricht dann von einer Pseudotasche.

Taschentiefenmessung: notwendiges Übel

Die Sondierung kann insbesondere bei entzündeten Verhältnissen durchaus unangenehm für den Patienten sein, auch wenn man sehr vorsichtig vorgeht. Typischerweise werden entweder 4 oder 6 Punkte um jeden Zahn herum gemessen. Je mehr Punkte gemessen werden, desto genauer bekommt man einen Überblick über den Knochenverlauf um diesen Zahn.

Konsequente Taschentiefenmessung kann unangenehm werden,  
Taschentiefenmessung tut schon mal weh  

Sind die Werte beim Messen erhöht, also über 3-3,5mm, geht man von einem Gewebeabbau aus. Durch ein angeschwollenes Zahnfleisch kann die Sondierungstiefe aber auch erhöht sein, ohne dass ein Knochenverlust vorliegt (Pseudotasche).

Das Messen der Taschentiefen ist auch für die Verlaufskontrolle im Recall unverzichtbar!

Fazit:
Die Sondierungstiefen sind das wohl unverzichtbarste diagnostische Mittel bei der Parodontitisdiagnostik und folgerichtig auch wesentlicher Untersuchungsbestandteil des PSI (parodontaler Screening-Index), des Parodontalstatus und anderer parodontaler Hygieneindizes.

Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, Die Klassifikation der Parodontalerkrankungen, Quintessenz Verlag, 1. Auflage (10. Juni 2013)
H. F. Wolf, K. u. E.M. Rateitschak, Band 1: Parodontologie: Farbatlanten der Zahnmedizin Thieme; 3. Auflage (2012)
H.-C. Plagmann; Lehrbuch der Parodontologie, Carl Hanser Verlag München Wien (1998)
W. Micheelis, Th. Hoffmann, B. Holzfreier, Th. Kocher, E. Schroeder, Zur epidemiologischen Einschätzung der Parodontitis in Deutschland - Versuch einer Bilanzierung, DZZ Sonderdruck 63. Jahrgang, Heft 7 (2008)

Bildquelle: Fotolia Chistoph Hänel, iStockphoto 24327786

Letzte Aktualisierung am Dienstag, 12. September 2017



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