Zahnfleisch und Zahnhalteapparat - gesundes und krankes Parodont

Der Zahnhalteapparat (Parodont) fasst begrifflich alle anatomischen Strukturen zusammen, die die Zähne im Kiefer verankern: Zahnfleisch, Haltefasern (Desmodont), Knochen und Wuzeloberfläche. Der Zahnhalteapparat ist keine starre Verbindung, sondern hat durch seine Fasern elastischen Charakter. Gemeinsam mit Nervenzellen schaffte er es, Kaukräfte, die mit bis zu 100kg auf Zähne und Kiefer einwirken zu dämpfen und zu steuern.

Der Zahnhalteapparat setzt sich aus 4 Anteilen zusammen:

Zahnbett, Zahnhalteapparat, Parodont

  • Zahnfleisch
  • Zahnwurzel mit Wurzelzement
  • Desmodont mit Haltefasern (parodontales Ligament, Sharpey'sche Fasern)
  • Knochen (Alveolarknochen)

Das Parodont erfüllt folgend Aufgaben

  • Verankerung des Zahnes an den Knochen
  • Anpassung an funktionelle und topographische Veränderungen
  • Reparatur nach Verletzungen
  • biologische Schutz- und Barrierefunktion
  • Kaugefühl und Steuerung der Kaubelastung)
  • Abwehrmechanismen gegen Infektionen



Zahnfleisch (Gingiva)

Das Zahnfleisch ist ein komplexes System, das durchaus mit der unserer Haut vergleichbar ist. Außen liegt eine feste Schutzschicht gegen mechanische und chemische Angriffe, das sogenannte Epithel. Darunter ist Bindegewebe, das reich an Zellen ist, was dem Zahnfleisch Volumen gibt; es enthält auch sehr viele Blutgefäße, was für die rosa Farbe des Zahnfleisches verantwortlich ist, da diese durch das relativ dünne, farblose Epithel durchschimmern.
Die Ginigiva bedeckt komplett den Knochen und verdickt sich wie eine Art Rollkragenpullover um die Wurzeldurchtritte. Die Zahnzwischenräume werden dreiecksförmig ausgefüllt, die sogenannten Zahnfleisch-Papillen. Die Anheftung an die Zahnoberfläche (Sulkus) erfolgt über eine spezielle Zellschicht, das Saumepithel, das auch die erste körpereigene Barriere zwischen der Außenwelt (Mundhöhle mit Bakterien) und dem Inneren des Organismus (Zellen, Blutkreislauf etc.) bildet.

Gesundes Zahnfleisch ist blass-rosa und liegt dem Zahn straff an. Es hält selbst kräftiges Zähneputzen aus, ohne zu bluten. Die Sondierungstiefe, das Ausmessen des Abstands zwischen Zahnfleischrand und Knochen entlang der Wurzelobefläche (mit einer sogenannten Parodontalsonde), liegt beim gesunden Zahnfleisch unterhalb von 3mm.
Im Falle einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis) ist das Zahnfleisch stärker durchblutet und wirkt dunkelrot. Es ist auf Berührung schmerzhaft und es kommt schnell zu Zahnfleischbluten.

Zahnwurzel mit Wurzelzement

Die Zahnwurzel ist an der Oberfläche von einer Hartsubstanzschicht bedeckt, dem Wurzelzement. Über diese Zahnwurzeloberfläche geht der Zahn letztendlich eine Verbindung mit dem Knochen ein. Als Bindeglied dienen die Haltefasern des Desmodonts.

Desmodont (parodontales Ligament, Sharpey-Haltefasern)

Das Desmodont besteht vor allem aus den Haltefasern (sogenannte Sharpey’sche Fasern), die den Zahn im Zahnfach befestigen. Diese kollagenen Fasern (Fibrae cemento-alveolares) spannen sich zu Hundertausenden zwischen Wurzelzement und dem Alveolarknochen und hängen den Zahn sozusagen im Zahnfach auf, d.h. unter Last (Biss) werden sie gedehnt.

Das Desmodont umfasst noch ein zellreiches Bindegewebe mit Nervenzellen, Gefäßen, gewebebildenden Zellen und Abwehrzellen. Die Nervenzellen registrieren hochempfindlich selbst feine Haare auf die wir beißen. Sie passen den Kaudruck über Rückmeldung zum Gehirn auf unsere Nahrung an und können vor Überlastung durch einen Schutzreflex (Biss auf Kirschkern) schützen. Bei Entzündung und Überlastung senden sie aber auch Schmerzsignale.

Die Blutgefäße im Desmodont sorgen für eine gute Durchblutung und mit den anderen Zellen für die Immunabwehr und den Gewebeumbau.

Alveolarknochen

Die Zahnwurzeln liegen in den Zahnfächern, den sogenannten Alveolen. Der ummantelnde Knochen wird Alveolarknochen genannt. An dem Bündelknochen des Alveolarknochens sind die Sharpey’schen Fasern befestigt. Durch ständig wechselnde Belastungen finden hier natürliche Umbauprozesse des Knochens und der Fasern statt.

Das kranke Parodont

Im Gegensatz zu den ständig ablaufenden natürlichen Umbauprozessen, die im Rahmen der natürlichen Anpassung stattfinden, und bei denen ein ständiger Gewebeab- und -aufbau stattfindet, ist bei den krankhaften Umbauprozessen im Rahmen einer Parodontitis das Potenzial zur parodontale Regeneration, also Gesundung und Gewebereparatur, erschöpft. Eine Gewebezerstörung aufgrund einer Infektion ist weitgehend irreversibel. Hier finden nur narbige Reparationsprozesse statt. Dabei wird eine Art Ersatzgewebe gebildet, das in seiner Struktur und Funktion nicht die ursprüngliche Qualität aufweist.

Im Falle einer Entzündung (Parodontitis) kommt es zur Zerstörung der Haltefasern, die auch mit einer Zerstörung des Alveolarknochens einhergeht.

Fazit:
Der Zahnhalteapparat besteht aus verschiedenen Komponenten (Gingiva, Wurzelzement, Desmodont und Knochen), die in ihrem Zusammenspiel ein hoch komplexes System bilden, das neben dem Zahnhalt auch noch die wichtige Schutzfunktion als Schranke zwischen Körper und Außenwelt innehat.

Quellen:
H.-P. Müller, Checklisten der Zahnmedizin - Parodontologie, Georg Thieme Verlag Stuttgart New York (2006)
H.-C. Plagmann, Lehrbuch der Parodontologie, Carl Hanser Verlag München Wien (1998)

Letzte Aktualisierung am Montag, 04. Juni 2018



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