Behandlungskonzept der Parodontose

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Das Behandlungskonzept der Parodontitis

Die Behandlung der Parodontitis hat zum Ziel, den Entzündungsprozess des Zahnbetts zur Ausheilung zu bringen. Im Vordergrund steht dabei, schädliche Bakterien in den Zahnfleischtaschen sowie der gesamten Mundhöhle zu eliminieren. Nur mit einem klaren Konzept kommt man auch bei schwere Parodontitis zum Erfolg

Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften DG PARO und DGZMK haben 2021 mit neuen Leitlinien das Behandlungskonzept der Parodontitis auf moderne Beine gestellt. Damit wird auch der Bedeutung der Parodontitis für die Allgemeingesundheit Rechnung getragen, die häufig noch unterschätzt wird.

Moderne Behandlungskonzepte schliessen den Patienten ein
Parodontitis: moderne Behandlungskonzepte sind gefragt

1. Therapiestufe: Vorbehandlung und Änderung des Verhaltens

Bevor es mit der gezielten Behandlung der Wurzeloberflächen losgehen kann, muss durch vorbereitende Maßnahmen die Grundlage für den Erfolg gelegt werden. Dazu gehört als erstes ein Verständnis für die Erkrankung und was man selbst dagegen tun kann. Ein wesentlicher Punkt ist dann die Analyse und Elimination von Risikofaktoren.

In leichten Fällen kann schon eine konsequente Vorbehandlung ausreichen, um Heilung zu erzielen. Zumindest wird durch diese ersten Maßnahmen eine Basis geschaffen, um erfolgreich die nächste Etappe angehen zu können:

Auch bei fehlenden Mitarbeit des Patienten darf behandelt werden

Die neue PAR-Richtlinie sieht vor, daß Vorbehandlungsmaßnahmen nicht mehr zwingend vor dem Beginn der eigentlichen Behandlung abgeschlossen werden müssen. Sowohl die in der alten Behandlungsrichtlinie geforderte Mitwirkung des Patienten als auch das Fehlen von Zahnstein als Voraussetzung für die PAR-Behandlung wurden gestrichen. Konservierend-chirurgische Maßnahmen sind wie bisher je nach Indikation vor oder im zeitlichen Zusammenhang mit der Parodontitistherapie durchzuführen. Mit aufgenommen wurde, dass das Glätten überstehender Füllungs- und Kronenränder je nach Indikation ebenfalls vor oder im zeitlichen Zusammenhang mit der Parodontitistherapie zu erfolgen hat.

2. Therapiestufe: Parodontosebehandlung und Medikamente

Die moderne zahnärztliche Parodontitistherapie basiert auf des Elimination des auf der Wurzeloberfläche anhaftenden liegenden Biofilms. Oberhalb des Zahnfleischs kann dafür eine professionelle Zahnreinigung ausreichen. Unterhalb benennt man die Behandlung als „subgingivale Instrumentierung“ .

  • Wurzelglättung (unter lokaler Betäubung) mit Scaling und Rootplanning (SRP), die sogenannte geschlossene Parodontosebehandlung mit Handistrumenten oder Ultraschall. (Laser nur als Privatleistung).


Weitere nicht-chirurgische Maßnahmen beinhalten:

  • die Antibiotikatherapie, alleine oder in Kombination mit Wurzelglättung oder chirurgischer Behandlung und
  • spezielle entzündungshemmende oder immunmodulierende Medikamente, lokal oder systemisch
  • Antibakteriell wirkende Substanzen zur lokalen Anwendung

3. Therapiestufe Die chirurgische Parodontitistherapie

Nur in Fällen, die auf obige, „konservative“ Behandlung nicht ausreichend ansprechen, sollte an den  Zähnen mit weiterhin tiefen Zahnfleischtaschen (>4mm mit Entzündung (BOP pos.) und alle bei 6 mm) dann eine chirurgische Parodontitistherapie  erfolgen. Sie umfasst das Freilegen der Zahnwurzeln mit Wurzelreinigung unter Sicht und gegebenenfalls Korrekturen des Knochen- und Weichgewebes. Auch dieser Behandlungsschritt kann sehr gut unter lokaler Betäubung erfolgen. Bei geringeren Taschentiefen ist eine erneute Würzelgättung (wie bei Therapiestufe 2) sinnvoll.

Auch rekonstruktive Eingriffe, wie

fallen in diese 3. Therapistufe „Parodontalchirurgie“.

Nach Abschluss der therapeutischen und rekonstruktiven Phase erfolgt…

4. Die unterstützende Parodontaltherapie (UPT)

In der zeitgemäßen Parodontalbehandlung wird der Nachsorge, mit Untersuchungen im Recall und professioneller Zahnreinigung, ein besonders hoher Stellenwert eingeräumt. Hier gilt es rechtzeitig ein Wiederaufflammen der Parodontitis  zu erkennen, um gegensteuern zu können. Die Überprüfung des Pflegeergebnisses darf nicht nur der Verbesserung dienen, sondern soll auch motivieren, die eingeschlagegen guten Weg weiter zu gehen.

 

Ein wesentliches Standbein der  ist eine regelmäßige Intensivreinigung. Die Kosten inklusive Biofilmentfernung (was einer professionellen Zahnreinigung entspricht, werden seit 7/2021 auch von den gesetzlichen Krankenversicherungen getragen. Je nach Schwere der Parodontitis und seiner Entwicklung (Gradings der Parodontitis) wird die UPT bis zu 4 mal jährlich in den 2 Jahren nach der Parodontosebehandlung im Rahmen des von den Krankenkassen übernommen.

Grad A (niedriges Risiko) : einmal im Kalenderjahr mit einem Mindestabstand von zehn Monaten

Grad B (mittleres Risiko): einmal im Kalenderhalbjahr mit einem Mindestabstand von fünf Monaten

Grad C (hohes Risiko): einmal im Kalendertertial mit einem Mindestabstand von drei Monaten

Das beinhaltet auch die supragingivale und gingivalen Reinigung aller Zähne von anhaftenden
Biofilmen und Belägen, was  einer Professionelle Zahnreinigung (PZR) entspricht. Somit werden diese auch von den Kassen übernommen.

Literatur:
IQWiG-Berichte – Nr. 602 Systematische Behandlung von Parodontopathien, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen Stand: 05.03.2018

Die deutsche Implementierung der S3-Leitlinie „Treatment of Stage I–III Periodontitis“ der European Federation of Periodontology (EFP) DG PARO, DGZMK 02/2021

Beschluss des Bewertungsausschusses für die zahnärztlichen Leistungen zur Umsetzung der vom G-BA beschlossenen Richtlinie zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderer Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie) vom 17.12.2020, KZBV

Detlef Heidemann, Praxis der Zahnheilkunde Band 4, Parodontologie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH; Auflage: 4 (1. März 2005)
H. F. Wolf, K. u. E.M. Rateitschak, Band 1: Parodontologie: Farbatlanten der Zahnmedizin Thieme; 3. Auflage (2012)

Bildquelle: Fotolia Kzenon