Elektrische Zahnbürsten: rotierend-oszillierend oder Schallzahnbürste

Nach ausgiebigen Tests und wissenschaftlichen Untersuchungen darf man sagen, dass elektrische Zahnbürsten die bessere Alternative zu den Handzahnbürsten darstellen und eine überlegene Plaque-Entfernung erzielen. Dennoch machen auch die Elektrischen die Arbeit nicht von selbst, sondern müssen intelligent von ihrem Benutzer an alle Zahnflächen und Zahnfleischübergänge geführt werden. Die empfohlene Häufigkeit des Putzens entspricht der der Handzahnbürste.: mindestens einmal täglich, besser 2 mal am Tag.

Elektrische Zahnbürsten verbessern das Putzeregebnis  
Mit der Elektrischen geht es leichter  

Die meisten Modelle haben bereits einen integrierten Zeitmesser, der mit 3 Minuten eine durchaus vernünftige Vorgabe für ein vollständiges Gebiss macht. Für die Pflege bei Parodontitis gelten für verschiedene Modelle auch unterschiedliche Putztechniken (s.u.). Eine Anleitung zur richtigen Handhabung ist im Rahmen der Prophylaxesitzung sehr zu empfehlen. Die Zahnzwischenräume und andere Nischen können zudem weder durch Handzahnbürsten noch durch ihre elektrische Pendants vernünftig gereinigt werden, so dass hier auf Hilfsmittel für die Zahnzwischenraumpflege (Zahnzwischenraumbürste, Zahnseide oder Munddusche) nicht verzichtet werden kann.

Es werden inzwischen viele verschiedene Modelle angeboten. Die zwei häufigsten Antriebs- bzw. Bewegungsmuster sollen hier kurz beschrieben werden:

Rotierend-oszillierende Zahnbürsten

 
Elektrische Zahnbürste:
rotierend-oszillierend
 

Hierzu gehören die marktführenden Geräte z.B. von Oral-B®.

Der Bürstenkopf (rund) wird mittig auf die Zahnfläche aufgelegt. Durch leichten Druck kommt es zum Abspreizen der Borsten, die im Idealfall dann auch unter den Zahnfleischsaum rutschen. Ein Schwenken nach vorne und hinten zu den Zahnzwischenräumen ermöglicht ein möglichst tiefes Eindringen in diese Nische. Die Kauflächen können zum Schluss leicht durch langsames überfahren gereinigt werden.

Die Technik liegt in einer Rotation des runden Bürstenkopfes, um die eine Achse mit einem raschen Wechsel der Bewegungsrichtung (Oszillation), die eine Frequenz von bis zu ca. 8000 Rotationen/Minute erreicht.

(Ultra)Schallzahnbürsten

Schallzahnbürsten Plaque-Entfernung ohne Putzdruck  
(Ultra-)Schallzahnbürsten:
kein Putzdruck erforderlich
 

Auf dem Markt erhältliche Schallzahnbürsten sind meist mit der englischen Bezeichnung "Sonic" gekennzeichnet, z.B. Sonicare® der Fa. Philips.

Die Schalltechnologie beruht auf piezoelektrisch erzeugten Borstenschwingungen, die durch über 30.000 Impulse eine dynamische Putzwirkung entfalten. Unter Verwendung von Zahnpasta soll hierdurch eine gerichtete Schaumwelle entstehen, die eine Putzwirkung sogar kontaktlos in Zahnfleischtaschen entfalten soll. Druck auf die Bürste, wie es für herkömmliche Hand- und elektrische Zahnbüsten erforderlich ist, ist für Schallzahnbürsten kontraproduktiv. Sie gelten daher als schonender für die Zahnhartsubstanz und sollen Putzdefekten an den Zahnhälsen und Rezessionen (Zahnfleischrückgang) vorbeugen.

Beim Putzen wird der Bürstenkopf 30°-45°-Winkel an den Zahn angelegt und drucklos Richtung Zahnfleischsaum und die Zahnzwischenräume geschwenkt. Die Kauflächen werden ebenfalls drucklos überfahren.

Welche elektrische Zahnbürste ist besser: rotierend oder Schall?

In jedem Fall wäre ein Umstieg von der Handzahnbürste auf eine "Elektrische" aufgrund der nachgewiesenen besseren Putzeffizienz für Parodontitispatienten zu empfehlen.

Welche nun die bessere Wahl ist, ist nicht unumstritten. Die marktführenden rotierend-oszillierenden Bürsten können für sich eine über Jahre optimierte Technologie mit besonders effektive Reinigung der Zahnflächen verbuchen. Der Schallzahnbürste wird eine Art Fernwirkung nachgesagt, bei der durch Mikroströmungen Beläge ohne direkten Kontakt also auch unterhalb des Zahnfleischsaums entfernt werden können. Allerdings konnte dies bisher nur unter Laborbedingungen nachgewiesen werden. Unter realen Bedingungen im Mund, sind die Hersteller den Beweis schuldig geblieben.

Teuerste Modelle nötig?

Auch von elektrischen Zahnbürsten im Sonderangebot darf man eine nicht zu beanstandende Putzwirkung erwarten. Die Schwachstelle bei der Pflege wird der Mensch selber bleiben. Allenfalls ist bei den preiswerten (Auslauf-)Modellen eine früher nachlassende Akkuleistung zu befürchten.

 

Fazit:
Ein Wechsel von Handzahnbürste auf die elektrischen Varianten ist für Parodontitispatienten sicherlich sinnvoll. Die Putzwirkung ist sowohl für die schon sehr verbreiteten rotierend-oszilierenden Geräte als auch für Schallzahnbürsten als überlegen einzustufen. Aber auch hier ist eine Demonstration zur richtigen Handhabung sinnvoll.

Quellen:
C.E. Dörfer, H.J. Staehle, Strategien der häuslichen Plaquekontrolle. Zahnmedizin up2date, Thieme (2010)
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Bildquelle: Fotolia Robert Neumann

Letzte Aktualisierung am Mittwoch, 06. Juni 2018



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