Parodontitis-Indizes für Mundhygiene, Entzündungsaktivität und Behandlungsbedarf

Indizes sind wesentlicher Bestandteil in der medizinischen Diagnostik, um Befunde strukturiert und vergleichbar zu erheben und zu dokumentieren. Für die Parodontosediagnostik gibt es verschiedene dieser Kontrollwerte, die sich mit der Qualität der Mundhygiene, mit dem Entzündungsgrad des Zahnbetts und der therapeutischen Notwendigkeit messen lassen:

  • Plaqueindizes
  • Gingivitisindizes
  • Behandlungsbedarfsindizes
Zahnplaque: schädliche Bakterienkolonien  
Erhebliche Plaquebildung an den
unteren Frontzähnen
 

Plaqueindizes zur Einschätzung der Mundhygiene

Es gibt je nach Land und zahnmedizinischer Fachgesellschaft weltweit viele etablierte Plaqueindizes (z.B. API, QHI, OHI, O'Leary, PI etc.). Alle haben aber gemeinsam, dass sie zum Einschätzen der Mundhygiene-Effektivität eingesetzt werden. Das Ausmass der Plaque-Anhaftung kann entweder nach Einfärben der Zähne mit einem Plaquefärbemittel gemessen werden, oder man schätzt die Menge der Plaque ein, indem man mit einer zahnärztlichen Sonde die vorhandenen Plaque von der Zahnoberfläche abstreift. Die plaque-positiven Flächen werden dann in ein prozentuelles Verhältnis zur vorhandenen Zahnzahl gesetzt und in verschiedene Grade eingeteilt: keine Plaque, sehr wenig getrocknete, mäßige Ansammlungen, viel Plaque.

Während der Sondentest rasch und einfach Ergebnisse liefert, ist die Anfärbung gründlicher, hinterlässt aber auch Färbereste, die von Patienten als kränkend empfunden werden können. Färbemittel eignen sich allerdings sehr gut zur Kontrolle der eigenen Putztechnik. Ergebnisse können dann bei späteren Untersuchungen verglichen werden, und die Effektivität der Mundhygiene im Verlauf beurteilt werden.

Gingivitisindizes zur Einschätzung der Entzündungsaktivität

Auch hier gibt es verschiedene anerkannte Indizes, (PBI, SBI, BOP, GI etc.), die aber alle prinzipiell die Blutungsneigung des Zahnfleisches auf Provokation als Maß für die Entzündungsaktivität bewerten. Dafür wird eine Parodontalsonde, ein Instrument zum Messen der Zahnfleischtaschen, in den Zahnfleischsaum eingeführt und Druck auf das Zahnfleisch gegeben. Im absolut gesunden Zahnfleisch erfolgt keine Blutung, dagegen führt bei einer schweren Gingivitis bereits die leichteste Berührung zu einer starken Zahnfleischblutung (BOP). Grundsätzlich fließen sowohl der Prozentsatz der blutendenden Zähne oder Zahnabschnitte als auch die Stärke der Blutung in die Bewertung mit ein.

Der Entzündungszustand des Zahnfleisches ergänzt die bei der Plaqueindizes erhobenen Befunde zur Mundhygiene und liefert Hinweise für das therapeutische Vorgehen. Um im Verlauf eine Besserung oder Verschlechterung des Entzündungszustandes exakt beurteilen zu können (z.B. während der Nachsorge), sollte immer derselbe Index verwendet wird.

Indizes zur Festlegung des Behandlungsbedarfs

Bei den Indizes für die Therapienotwendigkeit (PSI, CPITN u.a.) wurden Befunde des Pflegezustands, der Blutungsneigung und die Sondierungstiefen zusammengefasst, um schnell und sicher einzustufen, ob das Zahnfleisch gesund oder erkrankt ist, oder weitere Befunderhebungen notwendig sind. Der Behandlungsbedarfsindex PSI (Parodontale-Screening-Index), dem wir ein eigenes Kapitel gewidmet haben, sollte eigentlich immer im Rahmen der normalen Vorsorgeuntersuchung als Parodontosescreening durchgeführt werden. Er wird von den gesetzlichen Krankenkassen aber nur alle 2 Jahre bezahlt.

Behandlungsbedarfsindizes liefern nur einen groben Überblick über die parodontale Situation. Sie eignen sich nicht für Dokumentationen bei Kontrolluntersuchungen z.B. bei der Nachsorge, da hier keine Betrachtung einzelner Zähne erfolgt.

Zusammenfassung:
So trocken und unübersichtlich Indizes für die Parodontitisdiagnostik auch erscheinen, durch sie können Schweregrad und Behandlungsmöglichkeiten eindeutig bemessen, der Therapieerfolg überprüft und damit auch eine Vergleichbarkeit verschiedener therapeutischer Konzepte erzielt werden.

 

Literatur:
Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, Die Klassifikation der Parodontalerkrankungen, Quintessenz Verlag, 1. Auflage (10. Juni 2013)
H. F. Wolf, K. u. E.M. Rateitschak, Band 1: Parodontologie: Farbatlanten der Zahnmedizin Thieme; 3. Auflage (2012)
Jamal M Stein, Georg Conrads et al., Moderne Parodontologie in der Praxis: Band 1: Grundlagen, Klassifikation und Diagnostik, Spitta Verlag, 2010

Letzte Aktualisierung am Mittwoch, 06. Juni 2018



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