Ausheilung der Parodontose

Die Parodontosebehandlung hat nicht nur zum Ziel, die Bakterien zu eliminieren, sondern auch den entzündeten Zahnhalteapparat zu heilen. Im besten Fall soll alles so wie früher sein. In Abhängigkeit vom Knochenabbau, der Therapieform und den individuellen Voraussetzung lässt sich das natürlich (meist) nicht erzielen. Es gibt 4 verschiedenen Verläufe, die die Möglichkeiten der Heilung nach einer Parodontitistherapie beschreiben:

Parodontale Regeneration

Gesunder Zahnhalteapparat  
So sollte es wieder aussehen  

Echte Regeneration heißt Wiederherstellung, und zwar des Aufbaus und der Funktion des Zahnhalteapparates, wie er vorher war, durch Neubildung aller Gewebeanteile. Die Grundvoraussetzung für diese Art der Wundheilung sind lebende desmodontale Zellen (bestimmte Zellen des Zahnhalteapparates), die die Möglichkeit haben vor allen anderen Gewebezellen die gereinigte Wurzeloberfläche zu besiedeln. Eine vollständige Regeneration kann durch chirurgische Maßnahmen zwar angestrebt, aber nur in einigen Fällen erreicht werden, und immer nur dann, wenn keine erhebliche Zahnhalteapparat-Zerstörung stattgefunden hat.


Parodontales Reattachment

Als Reattachment bezeichnet man die Wiederanheftung der parodontalen Gewebe an die Wurzeloberfläche nach Ablösung Auch bei dieser Heilung dürfte sich ein Parodontalspalt mit seinem typischen Aufbau bilden. Die Grundvoraussetzung sind auch hier lebende desmodontale Zellen.

Neuattachment

Beim Neuattachment verbindet sich das Bindegewebe oder das Epithel des Zahnfleischs mit der desmodontfreien Wurzeloberfläche. Aber im Gegensatz zu einem echten Parodontalspalt fehlen verbindende desmodontale Fasern, so dass diese Form der Heilung von seiner Wertigkeit nicht ideal ist.

Reparative Heilung

Diese Heilungsart ist eine Defektheilung durch Ersatzgewebe, vergleichbar mit einer Narbe. Das Gewebe, dass sich bildet hat eine andere Struktur und auch andere Funktionalitäten als das Originalgewebe. Auch die reparative Heilung ist kein Misserfolg. Klinisch entsteht auch hier eine neue Gewebeanheftung (Attachment), die Taschentiefe verringert sich und eine Straffung des Zahnfleischs wird erzielt.

Welches Gewebe macht was bei der Heilung?

Saumepithel

Das Saumepithel kann ein Reattachment bilden, wenn es nur durch das Sondieren zertrennt worden ist. Nach einer parodontalen Entzündung und Therapie ist aber das Gewebe an der Oberfläche meist so zerstört, das die Heilung durch ein verlängertes Saumepithel erfolgt. Statt einer Naht entsteht also ein dicht anliegende Ärmel. Das Epithel wächst am Schnellsten von allen beteiligten Geweben, so dass es die anderen Gewebe in ihrer Wundheilung gerne verdrängt.

Gingivales Bindegewebe

Das Bindegewebe ist im Verletzungsfall auf die Bildung von Narbengewebe ausgerichtet, das es parodontal mit parallel zur Wurzeloberfläche verlaufenden Kollagenfasern ohne direkten Kontakt entwickelt. Eine direkte Berührung mit dem Wurzelzement kann übrigens zu Wurzelauflösungen (Resorptionen) führen.

Alveolarknochen

Knochen hat grundsätzlich eine sehr ordentliche regenerative Potenz. Er wächst allerdings nur in umschlossenen Räumen und ist dabei auch noch sehr langsam. Daher ist ein ausgeprägter Wiederaufbau des Knochen ohne Hilfe (z.B. gesteuerte Knochenregeneration) nicht zu erwarten. Eine Verbindung zur Wurzeloberfläche kann er nicht ausbilden.

Desmodont (Haltefaserapparat)

Der Haltefaserapparat kann sich nur aus noch lebenden Desmodontzellen neu bilden. Da die dafür notwendigen, intakten Zellen nur in der gesunden Tiefe des Parodontalspalts zu finden sind und die Regeneration sehr langsam erfolgt, darf man nicht zu viel Hoffnung in die körpereigenen Kräfte setzen, hier eine vollständige Wiederherstellung des desmodontalen Faserapparates zu erlangen. Für eine ausgedehntere Regeneration bis nach oben müssten man die schnelleren Repararturgewebe fernhalten. Dieser Technik bedient sich die gesteuerte Geweberegeneration (Membrantechnik). Eine Anregung zum Wachstum erfolgt auch über Emdogain®.


Fazit
:
Wen man auch die Regeneration der Gewebe anstrebt, ist nach Scaling und Rootplanning eher mit einer reparativen Heilung zu rechnen. Durch chirurgische Maßnahmen lässt sich die Art der Ausheilung nicht wirklich beeinflussen. Die Unterschiede sind aber hauptsächlich unter dem Mikroskop zu erkennen, für den Patienten ergibt sich wohl kein entscheidender Nachteil bei den nicht regenerativen Heilverläufen.

Quelle:
H.-C. Plagmann, Lehrbuch der Parodontologie, Carl Hanser Verlag München Wien (1998)

Letzte Aktualisierung am Freitag, 08. Juni 2018



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