Zahnfleischentzündung und Parodontitis bei Leukämien und Immundefekten

Schwere Allgemeinerkrankungen können sich auch durch eine Entzündung des Zahnhalteapparates manifestieren. Voraussetzung ist ein Einfluss auf die Entzündungsbereitschaft und Immunabwehr des Körpers, wie sie im Zusammenhang mit Erkrankungen der Blutzellenbildung (hämatologisch), der Immunabwehr oder durch Störungen des Bindegewebsstoffwechsels gesehen werden. Dabei können eine erhebliche Zahnfleischentzündung und Parodontitis auftreten, die unter dem Bild einer akuten oder chronischen Parodontitis ablaufen und ergänzend bzw. differentialdiagnostisch in Betracht zu ziehen sind. Zu solchen Erkrankungen gehören u.a.:

  • erworbene Immundefekte: Neutropenie (Mangel an weißen Blutkörperchen);
  • Agranulozytose (fehlende Bildung weisser Blutkörperchen im Knochenmark);
  • AIDS;
  • Leukämien, Lymphome;
  • genetische Defekte, z.B. Down-Syndrom.

Schwere Zahnfleischentzündung: Leukämie ausschliessen!

Die klinische Symptomatik und Befunde einer solchen Parodontitis entsprechen grundsätzlich den Formen der aggressiven Parodontitis oder chronischen Parodontitis. Man ist sich nicht 100% einig, ob es sich um eine komplett eigenständige Entzündungsform des Zahnhalteapparates handelt, oder nur um eine verstärkte Ausprägung einer Parodontose durch die Grunderkrankung. Allerdings lenkt die schlechte Behandelbarkeit den Verdacht auf eine eher eigenständige Erkrankung, daher sollte sie von Allgemeinerkrankungen mit Einfluss auf eine Parodontitis abgegrenzt werden.

Klassische Parodontosebehandlung nicht erfolgreich

Anders als bei der "nur" bakterieninduzierten Parodontitis, ist eine Heilung der Entzündung selbst unter Ausreizung aller Möglichkeiten der modernen Parodontitistherapie durch die überlagernde Systemerkrankung kaum zu erzielen. Die zahnärztliche Behandlung sollte daher nicht überzogen werden. Eine erfolgreiche Behandlung der Allgemeinerkrankung dürfte für die Besserung der Zahnfleischsituation einen höheren Stellenwert haben als eine konsequente Parodontosebehandlung.

Anders als bei der chronischen Parodontitis als Risiko für die Allgemeingesundheit dürfte die Erkrankung des Zahnbetts im Rahmen von Systemerkrankungen eher ein Symptom sein, und, gemessen an der Gesamtproblematik, den Stellenwert einer untergeordneten „Begleiterkrankung“ einnehmen.

parodontitis.com Fazit:

Ob eine Parodontitis als eigenständige Erkrankung oder als Begleiterkrankung bzw. Risikofaktor für eine klassische Parodontose zu werten ist: hier ist der Zahnarzt in der Pflicht, ein waches allgemeinmedizinisches Auge auf seine Patienten zu werfen, denn oftmals ist er derjenige, der die ersten Krankheitszeichen zu Gesicht bekommt.

Zur weiteren Information

Diagnose der Parodontitis
Parodontitis als Risiko für die Gesundheit

 

Quellen:
Amin E. Hatem Epidemiology and Risk Factors of Periodontal Disease, Periodontal Diseases - A Clinician's Guide, Dr. Jane Manakil (Ed.), ISBN: 97 8-953-307-818-2, (2012).
Chi, Angela C., Neville, Brad W. et. al., Oral Manifestations of Systemic Disease, Am Fam Physician. 2010 Dec 1;82(11):1381-1388
Straßburg, M., Knolle, G. Farbatlas und Lehrbuch der Mundschleimhauterkrankungen<input class="c-inputButton" title="Dokument speichern" name="_savedok" src="http://www.parodontitis.com/typo3/clear.gif" type="image" />, Quintessenz Verlag,
3. Auflage, 1991

Jamal M Stein, Georg Conrads et al., Moderne Parodontologie in der Praxis: Band 1: Grundlagen, Klassifikation und Diagnostik, Spitta Verlag, 2010

Letzte Aktualisierung am Dienstag, 05. Juni 2018



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