Nachsorge des Parodontosepatienten mit regelmäßigem Recall

Sie haben die unangenehme Parodontosebehandlung geschafft? Gratulation. Jetzt muss es aber auch mal gut sein, oder? Leider ist die Parodontitis, eine chronische Erkrankung, die sich letztendlich nicht wie ein Beinbruch einmalig behandeln lässt. Die deutliche Tendenz zum Rezidiv (erneutes Auftreten) erfordert ein Behandlungskonzept, das den Patienten begleitet: Die Nachsorge. Sie sollte aber nicht nur eine Begutachtung mit Messen der Taschentiefen sein, sondern gleichzeitig auch mit einer professionelle Zahnreinigung (PZR) verknüpft sein, um den wesentlichen Gegner Plaque und Biofilm auch an den durch die häusliche Mundpflege schwer zu erreichenden Stellen Paroli bieten zu können.

Nachuntersuchung im Recall: ohne geht's nicht bei der Parorontitisherapie  
Nur regelmäßige Verlaufskontrollen
geben Sicherheit bei einer Parodontits
 

Die Parodontitis erfordert als chronische Erkrankung eine strukturierte Nachsorge

Die erfolgreiche Parodontosebehandlung wird mit einem entzündungsfreien Zahnbett belohnt. Damit das auch so bleibt, darf die Mundhygiene nicht nachlassen. Schädliche Bakterien und Plaque sind in der Mundhöhle selbst bei guter Mundhygiene nun mal nicht völlig zu eliminieren. Eine regelmäßige Kontrolle des Heilverlaufs, gepaart mit professioneller Säuberung der Wurzelflächen (über und unterhalb des Zahnfleisches), unterstützt Ihre Bemühungen und gehört zu einer modernen Parodontisbetreuung.

Aufgaben und Ziele des Recalls

  • Kontrolle der Effektivität der Mundhygiene zu Hause
    Verwendung von Mundhygiene- und Entzündungsindizes zur Überprüfung der Erfolgs daheim. Gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge zur Optimierung.
  • Professionelle Zahnreinigung (PZR)
    Die PZR im Rahmen der Nachsorge umfasst die Reinigung der Zahnflächen oberhalb des Zahnfleisches und auch etwas unterhalb; mit anschließender Politur und Fluoridierung.
  • Erstellen eines Parodontalstatus 1x im Jahr
    Zahnfleischtaschen sind die ersten Anzeichen für ein Rezidiv, also ein Wiederauftreten der Erkrankung. Durch das Messen der Taschen werden frühzeitig Verschlechterungen entdeckt, so dass auch frühzeitig gegengeseteuert werden kann, gegebenenfalls mit erneutem Scaling und Rootplanning (SRP) von einzelnen Zähnen.
  • Adjuvante Therapie
    Wenn Entzündungen durch bisherige Maßnahmen nicht erfolgreich behandelt werden konnten (persistierende entzündliche Taschen). Kann die Anwendung von antibakteriell wirksamen Medikamenten in Zahnfleischtaschen den Behandlungserfolg unterstützen.

Hohes Risiko - häufigere Nachkontrollen sinnvoll

Durch die Bestimmung des individuellen Parodontitis-Risikoprofils, welches sich durchaus Veränderung einzelner Parameter, wie z.B. Mundhygiene, Rauchen oder auch positive oder negative Entwicklungen ändern kann, kann ma das individuelle Nachsorgeintervall festlegen:

  • hohes Risiko -> mindestens 4x Nachsorge im Jahr
  • mittleres Risiko -> mindestens 2x Nachsorge im Jahr
  • niedriges Risiko -> 1x Nachsorge im Jahr ausreichend

Viele Zahnarztpraxen bieten ein Erinnerungssystem (Recall) an, so dass der Patient im richtigen Abstand informiert wird, dass wieder ein Termin notwendig ist. Noch einfacher und sicherer ist jedoch, wenn man bei einem solchen Nachsorgetermin direkt den Folgetermin im richtigen Abstand vereinbart.

Fazit:
Die regelmäßige Nachsorge mit PZR ist Teil der erfolgreichen Parodontistisbehandlung. Der Verzicht stellt dagegen den Therapieerfolg in Frage.

Quellen: P. Eickholz, Glossar der Grundbegriffe für die Praxis: Unterstützende Parodontitistherapie (UPT), Teil 1: Ziele und Inhalte, Parodontologie 2007;18(2):165-170
P. Eickholz, Glossar der Grundbegriffe für die Praxis: Unterstützende Parodontitistherapie (UPT), Teil 2: Individuelles Parodontitisrisiko und Bestimmung der UPT-Intervalle, Parodontologie 2007;18(3):239-245

Bildquelle: Istockphoto 16075689

Letzte Aktualisierung am Freitag, 30. September 2016



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