Bindegewebstransplantat

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Bindegewebstransplantat (BGT)

Die  Technik des freien Bindegewebstransplantats (BGT) wurde erstmals Mitte der 80er Jahre vorgestellt. Das Grundprinzip besteht darin, dass durch zusätzliches Gewebe das Zahnfleisch, insbesondere der feste Anteil, verbreitert wird. Außerdem wird das Gewebe verdickt und die Rezessionsdeckung sicherer und langfristig stabiler.

Entnahmestelle

Das Bindegewebstransplantat wird üblicherweise, genauso wie das freie Schleimhauttransplantat (FST), vom Gaumen entnommen. Dort wird eine Art Tasche präpariert, aus der aber nur das Bindegewebe (die mittlere Schicht des Zahnfleisches unterhalb des Epithels, also „supepithelial“) herausgetrennt wird. Die Tasche wird wieder zugeklappt und vernäht. Die Technik hinterlässt keine offene Wundfläche, weil die Epithelschicht, als schützende Schicht zur Mundhöhle -im Gegensatz zum freien Schleimhauttransplantat– bewahrt wird und die Entnahmestelle wieder abdeckt. Damit ist die Entnamestelle BGT auch deutlich weniger schmerzhaft als beim FST und heilt auch schneller ab. Trotzdem sollte eine Verbandplatte eingesetzt werden, damit eine Schwellung und damit einhergehende Beschwerden möglichst gering gehalten werden.

Envelope-Technik

Der Zahnfleischrand um die Rezession wird unter lokaler Betäubung vorsichtig unterminierend gelöst und dadurch eine Art Tasche gebildet. In diese Tasche wird das Bindegewebstransplantat hinein geschoben so dass aber noch ein Teil soweit zum Zahn hin hinausragt, dass es den freilegenden Zahnhals bedeckt. Die Fixierung erfolgt mit Nähten und ggf. mit Gewebekleber.
Da das supepitheliale Bindegewebe weder in Form noch in der Struktur dem Zahnfleisch ähnlich ist, muss man schon einige Wochen eine ästhetisch unschöne Zahnfleischsituation in Kauf nehmen, die zunächst an eine ungesunde Wucherung erinnert. Erst nach und nach kommt es zur Integration in Form des gewünschten festen Zahnfleischs.

Verschiebelappentechnik

Hier wird die Technik des Verschiebelappens genutzt, der bei geringfügigem Zahnfleischrückgang auch ohne Bindegewebstransplantat eine erfolgreiche Rezessionsdeckung ermöglicht. Der Eingriff erfolgt unter sicherer Lokalanästhesie.
Hierzu wird ein Verschiebelappen aus dem Zahnfleisch um die Region des Zahnfleischrückgangs durch Ablösen vom unterliegenden Knochen mobilisiert, das Bindegewebstransplantat auf die freiliegende Wurzeloberfläche gelegt und der Lappen so geschwenkt und verlagert, dass er zu mindestens 2/3 das Transplantat überdeckt. Dadurch wird die notwendige Ernährung zur Heilung und Integration des BGT sicher gestellt. Diese Position wird mit Nähten und ggf. Gewebekleber fixiert.

Risiken des BGT

Komplikationenn treten bei beiden Verfahhren des Bindegewebstransplantats seltener auf. Insbesondere eine Nekrose (Absterben des Tranplantats/Gewebes) ist kaum zu befürchten, da durch die beidseitige Versorgung des Transplantats die Ernährung ausreichend ist.
Die Heilung stellt sich aufgrund der „Gewebeumbauarbeiten“ nur langsam ein, so dass die Hoffnung des Patienten auf einen raschen ästhetische Erfolg nicht erfüllt werden kann.

Nachsorge

Die Nahtentfernung erfolgt bei beiden Techniken nach 3 Wochen. Für 4-6 Wochen darf in dem Bereich kein Zähneputzen erfolgen, da es sonst zu Schädigung des Transplantats kommen kann. Mundspüllösungen wie Chlorhexidin (CHX) oder Listerine® helfen über die Zeit hinweg.

Vorteile:

  • dauerhaft stabile Deckung
  • Verbreiterung und Verdickung der befestigten Gingiva um den Zahn
  • gute farbliche Anpassung
  • relativ preisgünstig, weil kein Fremdmaterial verwendet wird
  • Nekrosen (Absterben des Gewebes) nur sehr selten

Nachteile:

  • 2 Operationsbereiche mit Beschwerden
  • schwieriges Operationsverfahren; erfahrener Behandler sinnvoll
  • Spenderareal ist limitiert; je nach Dicke der Schleimhaut am Gaumen ist nur sehr wenig Bindegewebe vorhanden und nicht leicht zu entnehmen
  • zunächst ästhetisch ungünstig, langsamer Heilerfolg
  • Bereich kann zu dick sein (Überkorrektur), evtl. Nachkonturierung nötig
Fazit:

Das supepitheliale Bindegewebstransplantat ermöglicht eine langfristig stabile Abdeckung freiliegender Zahnhälse mit Verbreiterung der festen Gingiva. Die OP-Techniken sind anspruchsvoll und haben den Nachteil von 2. Operationsbereichen mit entsprechendem Wundgefühl und Schmerzen.

Literatur:
B. Greven, B. Heinz, Plastisch-ästhetische Parodontalchirurgie: Deckung gingivaler Rezessionen, Zahnmedizin Up2date 4(3):259-279, Theime-Verlag, 2010
A. Kasaj, Plastische Parodontalchirurgie – Möglichkeiten und Grenzen, NAgP-News, 19. Jahrgang, 2010