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Parodontitis in Köln
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Die Fragen in unserem Parodontose-Selbsttest sind so gewählt, dass Sie sie entweder direkt oder mit Hilfe eines Spiegels leicht beantworten können. So können Sie sich schnell über Ihr persönliches Parodontitis-Risiko informieren. Zur 1. Frage.

Erbliche/Genetische Ursachen, IL-1 (Interleukin-1)-Polymorphismus

Der Bedeutung der Genetik auf die Entwicklung von Erkrankungen und deren Behandlung steht schon lange im Fokus der Medizin. In Bezug auf die Parodontitis forscht die Wissenschaft schon seit Jahren, um bestimmte genetische Konstellation oder erblich bedingte Reaktionsmuster zu identifizieren, mit denen man in der Lage ist, die Entwicklung, den Verlauf und den Schweregrad einer Parodontitis beim Menschen vorauszusagen.

Parodontitis mit Attachementverust und Rezessionen
Genetik bestimmt unsere Abwehrmechanismen

Genetik: die individuellen Voraussetzungen bestimmen den Verlauf einer Parodontitis mit

Obwohl es erblich bedingte Erkrankungen gibt, die mit der Ausprägung einer  Parodontose (neben anderen Erscheinungen) verbunden sind (s.u.), ist es bisher nicht gelungen, Gene oder Genvariationen zu entdecken, welche zwangsläufig zu einer Zahnbettentzündung führen. Es ist auch fraglich, dass dies geschehen wird, denn die Entstehung dieser Erkrankung ist nun mal multifaktoriell durch Bakterienangriff, Immunabwehr und Risikofaktoren bedingt. Mit anderen Worten: das Schicksal ist hier nicht vorbestimmt. In Zwillingsstudien konnte daher auch nur ein 50 prozentiger Einfluss von genetisch determinierbaren Faktoren ausgemacht werde, die Einfluss auf die Entwicklung/Ausprägung einer Parodontitis hatten. Allerdings konnten einige Genvariationen (Gen-Polymorphismus) entdeckt werden, die in Studien mit einem höheren Risiko für verbunden waren.

Genetische Erkrankungen: Parodontitis als Teil einer erblich bedingten Gesamterkrankung

  • Papillon-Lefevre-Syndrom
  • Leukozytenadhäsionsdefizienz
  • Down-Syndrom
  • Chediak-Higashi-Syndrom
  • Morbus Crohn

Bei der oben genannten Erkrankungsliste (nur die bekanntesten aufgeführt) wiegt der genetische Defekt, der mit einer Einschränkung der Immunabwehr oder überschießenden Entzündungsreaktionen vergesellschaftet ist, derart schwer, dass neben anderen (meist noch markanteren) Symptomen auch eine Zahnbettentzündung zutage tritt. So wird bei Patienten oftmals schon im sehr jungen Alter (manchmal schon bei Milchzähnen) eine Parodontitis beobachtet. Diese weisen dann auch einen schweren Verlauf auf oder sind zu den echten aggressiven Parodontitiden (siehe Klassifikation) zu zählen.

Genetische Risikofaktoren für die Parodontose

Von genetischer Disposition spricht man, wenn erbliche Variationen nicht direkt zu einer manifesten  Erkrankung führen, sondern im Laufe der Zeit einen negativ Einfluss bezüglich der Häufigkeit bei der Entwicklung der Erkrankung als auch deren Verlauf haben. Meist reichen nur kleine Veränderungen, die wissenschaftlich Polymorphismen genannt werden, um die Aktivität von bestimmten Enzymen zu verändern und die Reaktionsbereitschaft des Körpers zu beeinflussen. Durch einen solchen Gen- oder Enzypolymorphismus kommt es leichter zu einer Parodontitis. Oftmals potenziert sich ein Erkrankungsrisiko durch die Kombination mit anderen (nicht-erblichen Risikofaktoren) wie z.B. dem Rauchen oder schlechter Mundhygiene.

IL-1 (Interleukin-1)-Polymorphismus

Bei der Identifikation von genetischen Risikofaktoren fiel der Polymorphismus eines für die Immunabwehr verantwortlichen Enzyms, dem Interleukin-1 (IL-1), auf. Bei diesem Genpolymorphismus erfolgt eine stark erhöhte Freisetzung von Interleukin-1 (IL-1) bei Kontakt mit parodontal pathogenen Bakterien, welche durch eine gesteigerte, fatale Immunabwehr zu Knochen- und Kollagenabbau führt. Je mehr Interleukin-1 vorhanden ist, desto schneller erfolgt die Gewebezerstörung. So ist es möglich, dass auf Grund der genetischen Veranlagung selbst bei einer geringen Besiedlung von Bakterien und guter Mundhygiene eine Parodontitis ausgelöst werden kann, was sonst nicht der Fall wäre. Die Ausprägung und der Verlauf werden ebenfalls schwerer sein und die Langzeitprognose ist schlechter.

In Kombination mit anderen Risikofaktoren steigt das Risiko fast exponentiell

In Kombination mit anderen Risikofaktoren (RauchenDiabetes mellitus) oder schlechter Mundhygiene steigt das Risiko von 3fach auf 8fach bzw. von 15fach auf 20fach, je nachdem ob nur ein zusätzlicher Risikofaktor vorhanden ist oder gleich mehrere. IL-1 spielt auch für andere Bindegewebsentzündungen, wie z.B. die Polyarthritis, eine wichtige Rolle und kann Fieber auslösen.

IL-1-Gentests stehen für die Diagnostik der Parodontitis zur Verfügung.

Fazit:
Neben den genetischen Syndromerkrankungen, die unter anderem sehr früh zu einer Parodontitis führen, gibt es Genvariationen, die eine Parodontitis nicht auslösen, aber ihre Entwicklung begünstigen können.
Die Eliminierung eines genetischen Risikofaktors ist zur Zeit noch nicht möglich, aber die genetische Risikoanalyse kann helfen, Therapie und Parodontitis-Nachsorge für die betroffenen Patienten optimal zu gestalten.

Quellen:
H.F. Wolff, E.M. & K.H. Rateitschak, Farbatlanten der Zahnmedizin1: Parodontologie, 3. vollständig überarbeitete Auflage, Thieme-Verlag, 2004
Amin E. Hatem Epidemiology and Risk Factors of Periodontal Disease, Periodontal Diseases – A Clinician’s Guide, Dr. Jane Manakil (Ed.), ISBN: 97 (2012).
Kenneth S. Kornman, Allison Crane et al.; The interleukin-1 genotype as a severity factor in adult periodontal disease; Journal of Clinical Periodontology Volume 24, Issue 1, pages 72–77, January 1997
Michael J. McDevitt,. Hwa-Ying Wang et al.; Interleukin-1 Genetic Association With Periodontitis in Clinical Practice, Journal of Periodontology February 2000, Vol. 71, No. 2, Pages 156-163

Bildquelle: Fotolia norman blue