Lappen-OP mit Kürettage: Die offene Parodontosebehandlung

"Offene Parodontosebehandlung" klingt ziemlich unangenehm und wird im allgemeinen auch genau so empfunden. Technisch gesehen ist es eine Wurzelglättung (Scaling und Rootplanning (SRP) unter freier Sicht auf Wurzeln nach Eröffnung und Aufklappung des Zahnfleisch. Die so entstehenden Zahnfleischlappen haben diesem parodontalchirurgischen Eingriff auch den Namen "Lappen-OP" eingebracht. Das früher berüchtigte Wegschneiden des Zahnfleisches ist heutzutage nicht mehr vorgesehen. Die Behandlungskosten der offenen PAR werden auf Antrag von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Bei der Lappen-OP  wird heute kein Zahnfleisch mehr weggeschnittenz  
Das Zahnfleisch wird eröffnet für die freie Sicht
bei der Behandlung
 

Wann ist eine offene Zahnfleisch-OP nötig?

Eine Lappen-OP kommt immer dann infrage, wenn durch die vorausgegangene geschlossene Parodontitistherapie keine ausreichende Ausheilung der Entzündung erzielt wurde und tiefe Zahnfleischtaschen weiter bestehen. Typischerweise war die Ausgangssituation bereits schwierig, so dass eine Ausheilung durch einfaches SRP nicht erreicht werden konnte. Zusammengefasst:

  • erkennbare Auflagerungen, die sonst nicht entfernt werden können
  • persistierende Taschentiefen > 5mm mit entzündlicher Aktivität, besonders in Furkationen oder Knochenkratern.

Hier können sogar gleichzeitig eine resektive Therapie und/oder regenerativen Maßnahmen sinnvoll sein.
Kassenrechtlich muss die offene Behandlung in einem engen zeitlichen Zusammenhang nach der geschlossenen Behandlung erfolgen, damit die Kosten getragen werden.

Ablauf der Lappen-OP

Nach lokaler Betäubung wird das Zahnfleisch mit einem Schnitt entlang der Zahnwurzeln eröffnet und mit speziellen Instrumenten (Raspatorien) von Zähnen und Alveolarknochen abgelöst: das Aufklappen. Es gibt dafür verschiedene Schnitttechniken, die sich aber ähneln und gemein haben, dass sie gewebeschonend sind und eine gute Übersicht ermöglichen.

Nun kann unter freier Sicht auf die befallenen Wurzeloberflächen mit Handinstrumenten (SRP), oder im Ultraschallverfahren eine gründliche Reinigung und Glättung vorgenommen werden. Zum Abschluss wird der Operationsbereich gespült, das Zahnfleisch wieder an die alte Position zurückgelegt und vernäht, ohne dass gesundes Zahnfleisch entfernt wird.

Bei starken Entzündungszeichen ist eine gleichzeitige Antibiotikagabe gegen Markerkeime in Betracht zu ziehen.

Verlauf und Nachsorge bei der offenen Parodontosebehandlung

Schmerzen bei der Behandlung sollten durch ausreichende lokale Betäubung auszuschließen sein. Nach der Behandlung dürfte sich aber schnell ein entsprechender Wundschmerz einstellen, der durch einfache Schmerzmittel meist gut unter Kontrolle zu bringen sein sollte. Mehr zum Thema Parodontosebehandlung und Schmerzen.

Die Entfernung der Nähte erfolgt nach 1 Woche. Bis dahin muss auf die Zahnzwischenraumpflege (z.B. mit Bürstchen) verzichtet werden, da es die Wundheilung stört (es würde auch schmerzhaft sein). Mundspülungen sind hilfreich, die Bakterienzahl in der Mundhöhle zu reduzieren und den Heilprozess zu unterstützen. Nach Abschluss der Behandlung kommt der Patient in das Nachsorge-Programm.

Nachteile und Risiken der offenen Zahnfleischbehandlung

  • Rezessionen (Gesundschrumpfen) des Zahnfleisches mit
  • ästhetischer Verschlechterung (längere Zähne)
  • erhöhter Kälteempfindlichkeit
  • unangenehmer Eingriff mit Schmerzentwicklung, gegebenenfalls längerer Heilperiode

Wann sollte auf eine offene Zahnfleischbehandlung verzichtet werden?

Bei starken Rauchern mit nicht ausreichender Mundhygiene könnten Therapieerfolg und mögliche Behandlungskomplikationen bei schlechter Heiltendenz in einem ungünstigen Verhältnis stehen. Siehe Gegenanzeigen zur Parodontosebehandlung.

 

Fazit:
Die offene parodontalchirurgische Glättung der Wurzeln ist zwar ein unangenehmes aber auch unverzichtbares Procedere, wenn erhöhte Taschentiefen durch einfachere Behandlungen nicht erfolgreich unter Kontrolle zu bringen sind.

 

Quellen:
F. Wolf, K. u. E.M. Rateitschak, Band 1: Parodontologie: Farbatlanten der Zahnmedizin Thieme; 3. Auflage (2012)
Detlef Heidemann, Praxis der Zahnheilkunde Band 4, Parodontologie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH; Auflage: 4 (1. März 2005)
Jamal M Stein, Georg Conrads et al., Moderne Parodontologie in der Praxis: Band 3: Korrektive und unterstützende Parodontaltherapie, Spitta Verlag, 2011

Bildquelle: Fotolia Kadmy

Letzte Aktualisierung am Montag, 11. Juli 2016



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