Paro-Endo-Läsion: Wenn sich Wurzelentzündung und Parodontitis treffen

Bei der Paro-Endo-Läsion handelt es sich um eine zerstörerische Entzündung des Zahnbetts unter Einbeziehung der Wurzelspitze, bei der zwei krankhafte Prozesse in wechselseitiger Wirkung zusammentreffen:

Einerseits können Bakterien eines abgestorbenen Zahnnerven (z.B. durch Karies) über den Wurzelkanal zur Wurzelspitze gelangen und sich dort soweit ausdehnen, dass der Entzündungsprozess mit der Grenze des Knochenabbaus durch eine Parodontitis zusammenfließt. Oder umgekehrt: der bakterielle Knochenabbau durch die Parodontitis erreicht die Wurzelspitze und infiziert den Zahnnerven, dass es zum Absterben des Zahnnerven kommt. Als Ergebnis bleibt in beiden Fällen ein parodontal-periapikaler Entzündungsprozess. Bei einer primären Wurzelkanalentzündung ist die Prognose nach einer gelungenen Wurzelbehandlung als deutlich besser einzustufen, als wenn die Entzündung der Wurzelspitze infolge der parodontalen Knochendestruktion erfolgt. Dabei ist typischerweise aber nur eine, maximal 2 angrenzende Knochenwände betroffen, da ansonsten der Halteverlust der Zahnwurzel zum Zahnverlust durch Lockerung geführt hätte.

Paro-Endo-Läsion: Knochenabbau mit Einbeziehung der Wurzelspitze  
Konfluierende Entzündungs-
prozesse
 

Zusammentreffen endodontischer und parodontaler Entzündung

Die Pathologie der Paro-Endo-Läsion sieht zwei Ursprungsorte, von denen die Erreger ihren Weg suchen, um den typischen Entzündungsprozess zu verursachen, welche auch eine prognostische Bedeutung haben.

1. Endodontische Ursache (vom Zahnnerv und Wurzelkanal ausgehend)

Bei der endodontischen Genese erfolgt die Ausbreitung der Entzündung über den Wurzelkanal im Zahninneren in den Parodontalspalt des Zahnhalteapparates. Meist ist eine ausgedehnte Karies für das Absterben des Zahnes verantwortlich. Andere Ursachen sind thermische Schäden am Zahn oder ein Trauma (Beschleifen für eine Zahnkrone, tiefe Füllungen oder ein Unfall). Nach dem Absterben der Zahnpulpa im Inneren, kommt es zur Ausdehnung der Bakterien über den Wurzelkanal in die Tiefe bis zum Knochen und dem Zahnwurzelspalt (Parodontalspalt). Sobald die Ausdehnung der primär apikalen Entzündung die Grenze des Knochenabbaus erreicht und damit einen zusammenhängenden Entzündungsprozess bildet (Sondierbarkeit bis zur Wurzelspitze) spricht man von einem parodontolgisch-endodontologischen Defekt.

2. Parodontale Ursache (von der Zahnfleischtasche ausgehend)

Hier erfolgt die Ausbreitung der Bakterien primär vom Parodontalspalt aus, die bis zur Wurzelspitze ziehen und eine retrograde Infektion des Zahnnerven (Pulpa), also eine von der Wurzelspitze in den Wurzelkanal und Zahnnerv eindringende Entzündung auslösen. Der primär vitale (lebendige) Zahn stirbt infolge dessen ab und kann dann über diesen Weg die Entzündung an der Wurzelspitze verstärken.

3. Traumatische, iatrogene Ursache

Es gibt aber auch seltene, iatrogene Ursachen (extern, durch eine Behandlung), wie z.B. zu tiefes Bearbeiten der Wurzeloberfläche bei der Wurzelglättung oder ein seitliches Durchstoßen der Wurzelwand bei einer Wurzelkanalbehandlung (Via falsa), die eine umlaufende Entzündung bewirken können.

Diagnose der Paro-Endo-Läsion

Unabhängig von der Genese finden sich bei der Endo-Paro-Läsion ganz ähnliche Befunde, was ein Abgrenzen der Ursachen oftmals schwierig macht:

Klinische Untersuchung

Der Zahnnerv ist abgestorben und reagiert nicht (mehr) auf Vitalitätstests (Kältetest, elektrische oder mechanische Reizung). Durch den Zusammenhängenden Entzündungsprozess ergibt sich bei der Taschentiefenmessung Sondierbarkeit bis zur Wurzelspitze. Eine intakte Zahnkrone (karies- und füllungsfrei) spricht für eine primär parodontale Ursache. Eine zerstörte Zahnkrone lässt eine primär endodontische Ursache eher in Betracht ziehen.

Röntgendiagnostik

Im Röntgenbild zeigt sich ein Knochenabbau, der die gesamten Parodontalwand einer Wurzelseite bis um die Wurzelspitze erfasst hat. Wenn Vergleichsröntgenbilder vorliegen, kann man oftmals aus der Entwicklung auch die Ursache ableiten. Auch kann durch das Röntgenbild eine mögliche kariöse Ursache für das Absterben ausgeschlossen oder bestätigt werden.

Behandlung und Prognose der Paro-Endo-Läsion

Durch das Zusammentreffen von infiziertem Wurzelkanal und Parodontitis sind im Grunde 2 therapeutische Ansätze zu verfolgen. Dabei steht die Behandlung des entzündeten Wurzelkanals zunächst im Vordergrund. Die sogenannte Wurzelkanalbehandlung sorgt für die Desinfektion des Wurzelinneren und verhindert ein Abtropfen von Bakterien zur Wurzelspitze und zum Parodontalspalt. Die Behandlung der Parodontitis erfolgt sekundär. Das hat seine Logik im zu erwartenden Behandlungserfolg bei dieser Art von Defekten. Wenn die Läsion primär von einem abgestorbenen Zahn ausgeht, kann es unter der erfolgreichen endodontischen Therapie zur Ausheilung kommen. Die langfristige Prognose steht dann im Zusammenhang mit dem Erfolg der Wurzelbehandlung und der Parodontitistherapie.

Wenn die umlaufende Knochenentzündung sicher auf den parodontitischen Knochenabbau zurückzuführen ist, dann ist die Prognose unabhängig vom therapeutischen Aufwand als schlecht einzustufen. Der Zahnverlust ist vorprogrammiert.

In den Fällen, in denen die Ursache nicht klar ist, kann mit einer Wurzelbehandlung der Zahnerhalt versucht werden. Erfolgskontrollen (Röntgenbilder, Sondieren) müssen nach einigen Wochen den Wert der Behandlung zeigen.

Viele Behandler neigen aber auch dazu, bei einer Paro-Endo-Läsion die Zahnerntfernung frühzeitig in Betracht zu ziehen, da das Verhältnis von therapeutischem Aufwand und Nutzen fraglich ist.


Fazit:
Die Paro-Endo-Läsion ist eine besonders schwerwiegende Erkrankung, die meist im Verlust des Zahnes endet.

 

Quelle:

G. Tulus, F. Bröseler, Paro-Endo-Läsionen: Möglichkeiten der Zahnerhaltung durch orthograde Endodontie im Rahmen systematischer PA-Therapie, Parodontologie 2011;22(2):123-132

S. Bauriedl, Langzeitergebnisse nach systematische Behandlung von paro-Endo-Läsionen: Welche Faktoren bestimmen Erfolg und Misserfolg?, Dissertation, Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main, 2006

Letzte Aktualisierung am Dienstag, 05. Juni 2018



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