Markerkeim Aggregatibacter actinomycetemcomitans (A.a.)

Aggregatibacter actinomycetemcomitans ist wohl der bekannteste Leitkeim der Parodontitis. Er ist Teil der Bakteriengemeinschaft des sogenannten grünen Komplexes, bei dessen Auftreten früher immer ein schlimmer Verlauf prognostiziert wurde. Entgegen der klassischen Meinung, dass er immer nur mit der aggressiven Form von Parodontitis verbunden ist, vertritt man heute eher die Meinung, dass er sowohl bei schweren chronischen Formen, als auch bei mittelschweren bis leichten Parodontitiden anzufinden ist. Er bildet bei aggressiven Formen aber den Leitkeim.
Typischerweise ist A.a. für frühzeitige Rezidive, also Wiederauftreten der Erkrankung, verantwortlich.

Wissenschaftlicher Steckbrief Aggregatibacter actinomycetemcomitans (A.a.):

  • ehemaliger Name: Actinobacillus actinomycetemcomitans
  • erstmals beschrieben von Klinger 1912
  • unbewegliches Stäbchen
  • fakultativ anaerob, d.h. er benötigt nicht unbedingt Sauerstoff, um sich zu vermehren/zu wachsen
  • gramnegativ
  • Parodontitis-Aktivität: ++++
  • nachweisbar in den praxisüblichen parodontologischen Bakterientests

Wirkweise von Aggregatibacter actinomycetemcomitans auf den Zahnhalteapparat

Aggregatibacter actinomycetemcomitans produziert verschiedene Proteasen (Eiweiss-zersetzende Enzyme, z.B. Leukotoxin, Gift gegen weisse Blutkörperchen), wodurch es die Vernichtung von wichtigen Immunzellen (Leukozyten und Monoxyden) vorantreibt. Die ausgeschütteten Proteine sind auch in der Lage die Lymphozytenaktivierung zu stören und gleichzeitig den entzündlich bedingten Gewebsabbau zu fördern, indem sie die Interleukin-Ausschüttung und damit eine ungünstige Abwehrreaktion des Körpers aktivieren.
Eine andere negative Wirkung ist die Blockade der schützenden Wirkung des körpereigenen, unspezifischen Immunglobulin-A im Speichel, was die Ansiedlung verschiedenster anderer Keime erleichtert.

Empfindlich gegen folgende Antibiotika

Eine Empfindlichkeit gegenüber Metronidazol (z.B. Clont®), das gegen andere Parodonttis-Markerkeime wirksam ist, besteht nicht. Der Nachweis von A.a. erfordert eine angepasste antibiotische Behandlung mit:

Therapiemöglichkeiten:

Ähnlich wie Porphyromonas gingivalis vermag auch Aggregatibacter actinomycetemcomitans die schützende Schleimhautzellschicht (epitheliale Barriere) zu durchdringen und sich im tieferen Gewebe anzusiedeln. Eine rein chirurgische Glättung und Reinigung der Wurzeloberfläche (Parodontose-Behandlung) zur Bekämpfung von A.a. ist daher nicht unbedingt ausreichend, und die orale Gabe eines Antibiotikums (Tablettenform, z.B. Amoxicillin) ist je nach klinischer Symptomatik durchaus indiziert.

Analog zu anderen Vertretern des grünen Komplexes muss eine potenziell erforderliche antibiotische Begleitbehandlung dann mit Amoxicillin oder Ciprofloxacin erfolgen.

Literatur:
Adjuvante Antibiotika in der Parodontitistherapie, Wissenschaftliche Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft fu?r Zahn- Mund- und Kieferheilkunde in der DZZ, 2003
Socransky, S.S., Haffajee, A.D., Cugini, M.A., Smith, C., Kent, R.L.: Microbial complexes in subgingival plaque. J. Clin. Peridontol. 25, 134–144 (1998)
Arie J. van Winkelhoff, Carolien J. Tijhof, and J. de Graaff, Microbiological and Clinical Results of Metronidazole Plus Amoxicillin Therapy in Actinobacillus actinomycetemcomitans-Associated Periodontitis, Journal of Periodontology, January 1992, Vol. 63, Nr. 1, 52-57
Jamal M Stein, Georg Conrads et al., Moderne Parodontologie in der Praxis: Band 1: Grundlagen, Klassifikation und Diagnostik, Spitta Verlag, 2010.

Letzte Aktualisierung am Montag, 04. Juni 2018



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