Parodontitis als Ursache für unerfüllte Kinderwünsche?

Viele Paare sehen sich damit konfrontiert, ärztliche Hilfe für den eigenen Kinderwunsch in Anspruch nehmen zu müssen; jede sechste Frau hat Probleme, schwanger zu werden. Dass Parodontitis dabei eine Rolle spielen könnte, vermutet man eher nicht. Den Zusammenhang erforschte ein Team finnischer Wissenschaftler und stellte die Studienergebnisse im Journal of Oral Microbiology im Juni 2017 vor: Parodontitis-Bakterien haben Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Frauen.

Parodontitis ist immer ein Risiko für die Gesundheit

Parodontitis ist die Hauptursache für Zahnverlust bei Erwachsenen, rund 40% der Deutschen leiden an einer mittelschweren Parodontose. Die entzündliche Zahnbett-Erkrankung ist aber weitaus schädlicher für die Allgemeingesundheit, als vielen Menschen bekannt ist. Einige systemische Erkrankungen, wie Diabetes und Arthtritis oder kardiovaskuläre Erkrankungen (z.B. Herzinfarkt) werden nachweislich durch eine Parodontitis begünstigt. Bekannt ist auch: die entzündliche Zahnbett-Erkrankung kann Komplikationen während einer Schwangerschaft verursachen (z.B. Frühgeburt). Die Wissenschaftler konnten durch ihre Studie auch den Einfluss der Parodontitis auf die Fertilität nachweisen.

Parodontitis-Bakterien: die Anzahl ist entscheidend

Für die Studie würden 256 Frauen im Durchschnittsalter von 29,2 Jahren ausgewählt, die schwanger werden wollten. Bei den nachweislich gesunden Frauen konnten Risikofaktoren für Unfruchtbarkeit, wie beispielsweise hohes Alter oder Rauchen, ausgeschlossen werden. Innerhalb eines Jahres wurde untersucht, ob der Kinderwunsch für die Probandinnen in Erfüllung ging. Um den Zusammenhang zwischen Parodontose und Fertilität herstellen zu können, wurden die Frauen zu Beginn der Studie auf das Bakterium Porphyromonas gingivalis untersucht, welches bekanntermaßen ein Hauptverursacher der Parodontitis ist. Es wurde nicht nur nach dem Bakterium im Speichel gesucht; auch wurden Speichel und Blut auf Antikörper gegen Ebendieses gescannt.

Fertilisation durch Bakterium P. gingivalis beeinträchtigt

Während der 12 Monate wurden nicht alle Frauen schwanger. Bei den Frauen, dessen Kinderwunsch unerfüllt blieb, wurde eine höhere Konzentration des Bakteriums P. gingivalis im Speichel und eine höhere Konzentration der Antikörper im Blut nachgewiesen, als bei denen, die schwanger geworden sind. Die hohe Anzahl der vorhandenen Bakterien erhöhte die Wahrscheinlichkeit, nicht schwanger zu werden um das 3-Fache. Kamen bei den Frauen neben der erhöhten Konzentration bereits klinische Anzeichen einer Parodontose hinzu, war die Wahrscheinlichkeit sogar 4-fach erhöht.

Kinderwunsch? Parodontose-Behandlung!

Auch ohne klinische Anzeichen einer Parodontitis, wurde die Fruchtbarkeit der Frauen durch die vermehrte Anwesenheit von Parodontitis-Bakterien beeinflusst- da sind sich die Wissenschaftler einig. Um zu verstehen, welche genauen Zusammenhänge für die herabgesetzte Fertilität verantwortlich sind, bedarf es weiterer Forschung. Ob akuter Kinderwunsch oder nicht- der regelmäßigen Gang zum Zahnarzt ist wichtig, schließlich hat die Mundgesundheit Einfluss auf den gesamten Organismus.


Literatur:
Susanna Paju, Juha Oittinen, Henna Haapala, Sirkka Asikainen, Jorma Paavonen & Pirkko J. Pussinen, Porphyromonas gingivalis may interfere with conception in women, Published online: 12 Jun 2017; Journal of Oral Microbiology Volume 9, 2017 - Issue 1

Letzte Aktualisierung am Freitag, 08. September 2017