Fragen und Antworten im Parodontose-Forum

Hilfe.. 27 Jahre jung und eine Parodontitis

Melly
Mitglied seit 04. 03. 2021
1 Beiträge

Hallo ich bin Melly und 27 Jahre jung, seit ca einer Woche habe ich schmerzen am Zahnfleisch, ich war bereits zwei mal bei meinem Zahnarzt. Beim ersten Besuch meinte er ich solle die Mundspühlung chlorhexamed 2x tgl. verwenden. Hat nichts gebracht.. meine Schmerzen wurden schlimmer und mittlerweile fühlte es sich so an als wäre mein ganzes Zahnfleisch betroffen (Zähneputzen ist die reinste Qual.. überall schmerzt es) also bin ich erneut zum Zahnarzt, dann der Schock.. Er sagte „dann ist es eine akute Parodontitis“ Ich hätte am liebsten angefangen zu weinen.. daraufhin hat er mir ein Antibiotikum verschrieben und IBU 600. Laut meinem Zahnarzt sollten die Schmerzen nach ca 10 Stunden besser werden... und Nein sie wurden nicht besser... Ich hab morgen nochmal einen Termin, aber ob ich es solange aushalte ist die Frage..

Kann mir irgendjemand sagen, was ich selbst zuhause tun kann?
Mein komplettes Zahnfleisch schmerzt und meine Backe ist geschwollen.
Danke im Voraus



docwolff
docwolff

Guten Tag,
wenn Ihr Zahnarzt glaubt, dass sich eine Parodontitis dadurch diagnostizieren lässt, dass eine Mundspülung nicht funktioniert, dann wage ich zu bezweifeln, dass Sie sich in den besten Händen befinden. Suchen Sie sich einen Spezialisten, der eine vernünftige Diagnostik betreibt. Schmerzen sind für einer Parodontitis eigentlich nicht typisch.
mfg
Wolff



Tatsächlich glaube ich auch es könnte ratsam sein mal eine Zweitmeinung einzuholen. Ich persönlich geh hier hin https://www.zahnkliniksaarland.de/ und bin dort sehr zufrieden. Für einen kompetenten Umgang mit Parodontitis kann ich bürgen. Ansonsten findet sich aber bestimmt auch wer anders in der Nähe.



Kathyli
Mitglied seit 15. 06. 2021
2 Beiträge

Ich weiß zwar nicht ob du das jemals lesen wirst..ich bin im selben Alter und hatte ebenfalls ein Parodontose Problem. Kein Karies. Dennoch mittlerweile 3 Zähne verloren dadurch. Parodontose Bakterien sind dermaßen hartnäckig, mit einem Gang zum Zahnarzt ist es damit nicht getan. Ich war mittlerweile in 2 MKG's, bin in einer Dentalklinik in Behandlung. Ja, die Parodontose Bakterien breiten sich sogar durch's Zähneputzen auf unbefallene Zähne aus, so zumindest mein Eindruck. Ich habe zunächst für befallene Zähne eine extra Zahnbürste (weich) benutzt. Ich putze mittlerweile mit einer Schallzahnbürste von Philips die 200€ gekostet hat. Das reicht aber bei Weitem nicht. Ich nutze das Interprox Gel zum Zähneputzen, und Chlorhexidin Mundspülung. Letzteres, weil es die Zähne nicht braun verfärbt so wie Chlorhexamed. Eigentlich waren meine Zähne an sich in Ordnung abgesehen von der Parodontose. Parodontose wandern an den Seiten der Zähne hinunter und verursachen zuerst eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung). Zahnfleisch wird rot, schmerzt, blutet eventuell, schwillt an, sie wandern weiter hinunter den Zahn entlang und verursachen dort Entzündungen, dann wird es Parodontitis genannt. Das sieht man mit dem bloßen Auge nicht, aber auf Röntgenbildern, sogenannte Parodontalspalte. Mit der Zeit verdrängen sie das Zahnfleisch, es wandert nach unten, zerstören den Kieferknochen und breiten sich sogar in die Nasennebenhöhlen aus. Sie verursachen Herz-Kreislauferkrankungen und Demenz/Alzheimer. Und sie sind antibiotikaresistent. Also, Parodontosebakterien sind wirklich nicht witzig. Fast jeder von uns hat sie auch noch, aber lediglich die Quantität ist ausschlaggebend. In höherem Alter tendenziell auch höhere Last an Parodontose. Wodurch genau der Befall beim einen Menschen extremer als beim anderen ist, weiß ob man nichtmal. Zahnhygiene ist natürlich wahnsinnig wichtig. Aber bei weitem nicht alles. Es gibt sogenannte Dentalsticks in verschiedenen Größen, ich empfehle CURAPROX. Für Menschen mit Doppelkronen sind übrigens Superfloss von Oral B sehr hilfreich wenn der Zwischenraum sehr eng ist. Was auch noch hilfreich ist aber sehr ekelig schmeckt ist Angocin zerkaut, und 10 Minuten im Mund belassen. Tötet ziemlich gut Parodontose ab.

Mittlerweile habe ich meine Parodontose so im Griff, dass bereits befallene und lockere Zähne die eigentlich eine Wurzelspitzenresektion bekommen sollten abgeheilt sind und keine Resektion mehr brauchten. Keine Zahnfleischentzündungen mehr, keine Schmerzen mehr. Abgesehen an 1 Zahn momentan aber das liegt an einer Zahnkrone die nicht so funktioniert wie sie sollte, wird demnächst beim Zahnarzt abgeklärt.

Diese Parodontose Bakterien gehen niemals wieder komplett weg, sie bleiben immer da, man muss sie in Schach halten damit es nicht zur Vermehrung kommt. Die Zähne verlieren - so blöd das klingen mag - ist sogar noch das kleinere Übel an diesen Bakterien, weil sie erheblich krank machen können.

Also Zusammenfassung
-als erstes professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt
- Schallzahnbürste besorgen
-Interprox Gel
-Curasept Mundspülung (Chlorhexidine)
-Dentalsticks (Curaprox sind sehr gut, oder falls alles erreicht werden kann mit Zahnseide arbeiten, an den Backenzähnen sind Zahnseidesticks echt easy in der Handhabung, bei Doppelkronen die schwer zugänglich sind Superfloss von Oral B am Besten)
-Angocin
-Zahnkaugummis mit Xylitol (gibts von Wrigleys oder noname Marken)
-Kautabletten zum Aufbau der Mundflora

Und mit diesem ganzen Aufwand in Kombination habe ich es hinbekommen meine Parodontitis zu heilen. Parodontitis nicht nur Gingivitis, weil die Wurzelspitzen schon entzündet waren, von fast allen Zähnen in meinem Mund. 3 Zähne verloren, 7 weitere Zähne wären fast verloren gegangen. Eigentlich war es schon überall. Und lockere Zähne. War schrecklich. Es wirkte fast unglaublich, denn meine Zähne an sich waren strahlend weiß, keinerlei Plaques aufgrund regelmäßiger professioneller Zahnreinigungen, keine Karies irgendwo. Jeder der meine Zähne angeschaut hat weil alle dachten ich hätte völlige Ruinen im Mund sagten "Oh Gott die sehen ja besser aus als meine Zähne" Und dennoch so massive Entzündungen im Inneren, die sich in die Kieferhöhle ausbreiteten, und von dort in weitere Nasennebenhölen gelangten. Hohes Fieber verursachten, Antibiotika half nicht nur für kurze Zeit. Übrigens überwinden diese kleinen Mistviecher sogar noch die Hirnschranke und können sich einige Jahre im Hirnstamm einnisten, ähnlich wie Herpes Simplex Viren. Nur mit dem Unterschied dass Parodontose, Bakterien sind und keine Viren, und dort mit der Zeit zum Glück doch absterben. An den Herzklappen bilden sie auch ganz gerne einen Biofilm und verursachen dann einen erhöhten Blutdruck, Herzhytmusstörungen etc. Es gibt wahnsinnig viele Menschen die einen zu hohen Blutdruck haben aber die Ursache dafür nie gefunden wird und eben Betablocker verschrieben werden. Das wiederum behebt aber lediglich ein Symptom, aber nicht die Ursache an sich. Erhöhter Blutdruck ist nämlich lediglich ein Symptom das unser Herz verursacht, nicht aber einfach mal so zum Spaß, weil sich das Herz denkt "Hey ich schlage jetzt mal mit erhöhtem Druck" Nein, sondern weil es genau dafür eine Ursache gibt. Nur ist unser Biosystem ein bisschen komplex. Die Ursache wird fast nie gefunden. Parodontose kann dafür verantwortlich sein, muss aber nicht. Zuckerkrankheiten und Engstellen in Adern aufgrund von Cholesterinablagerungen etc pp können auch ursächlich sein. Aber abgesehen davon, Parodontose Bakterien sind wirklich...zum kotzen. Man kriegt sie nichtmal weg wenn man sich alle Zähne rausreißen lassen würde und Implantate setzen würde, dann würden sie einfach diese befallen. Weil sie nämlich in unserer Mundflora sind. Deshalb Kautabletten die die Mundflora aufbauen...wirkt Wunder. Eine Behandlung beim Parodontologen der starkes Geschütz auffahren kann mit Lasern etc, bringt niemals - und ich betone - NIEMALS auf DAUER etwas. Es kommt immer wieder und wieder. Das Problem kann einem kein Arzt richten, es ist tatsächlich Eigenarbeit. Beim einen mehr, beim anderen weniger, je nach Mundflora, Stoffwechsel, Hormonsystem, Immunsystem, aber es bleibt bei der Eigenarbeit. Frauen sind aufgrund der weiblichen Hormone übrigens häufiger betroffen.
Eigentlich schade dass ich bei keinem Arzt so eine ausführliche Anleitung bekommen habe.



M@rie
M@rie

Hi Kathyli,

erst mal vielen lieben Dank für deine Mühe und die ausführliche Beschreibung sowie die tollen Tipps zur Eigenbehandlung der Parodontose...
Ich werde versuchen alles in meinen Alltag und Mundhygiene zu integrieren.
Nimmst du zusätzlich noch etwas ein, um die Abwehr zu stärken?
Könntest du auch eventuell kurz skizzieren, wann du was bei der Pflege nimmst?
Wann und wie oft das Angosin?
Das Gel vor oder nach dem Zähneputzen?
Runder Bürstenkopf bei der Schallzahnbürste ( mein ZA hat gesagt die runden putzen besser?)
Welche Schallzahnbürste hast du denn?

Ich habe durch meine Parodontose auch schon vier Zähne weg und jetzt wackelt ein Zahn wie ein Kuhschwanz.
Ich will ihn unbedingt erhalten und auch meine tiefen Taschen (6mm :( ) endlich loswerden.

Ich putze und pflege und bin jetzt auch schon am forschen, ob ich genetisch betroffen bin und somit gegen Windmühlen kämpfe ?!
Auf jeden Fall sind die Beisserchen super weiß und ohne Karies und dennoch hab och immer mal wieder massive Probleme...
Wie schaut es bei euch mit Ernährung aus?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Fleisch essen tatsächlich die Entzündung anheizt und es reduziert....
Auch Milch mag mein Körper nicht
Erst mal ganz lieb Danke an dich und alle anderen, dass ihr hier eure Erfahrungen teilt
Ich fühl mich nun nicht mehr so alleine und verzweifelt



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