Parodontitis.com - Parodontose früh erkennen und behandeln

Bis zu 40% der Menschen in Deutschland leiden wohl an einer Parodontitis, 20% der Erwachsenen sogar an einer schweren Form - eine echte Volkskrankheit also. Dabei ist vielen Menschen gar nicht bewusst, dass sie an einer Parodontose leiden, da sie nur selten Schmerzen verursacht. Sie ist aber die bei weitem häufigste Ursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter mit den Folgen für Ästhetik, Wohlbefinden und Bedarf an teurem Zahnersatz. Viel weniger noch sind die Auswirkungen für den gesamten Körper mit den Risiken für die Allgemeingesundheit, wie z.B. Herzerkrankungen bekannt. Rechtzeitige Diagnose und Behandlung sind also nicht nur für den Zahnerhalt wichtig.

Parodontose, Parodontitis
Eine Parodontitis verläuft unbehandelt progredient und endet im Zahnverlust

Der Erkrankungsbeginn liegt meist im Alter von 35-40 Jahren, es gibt aber auch Verläufe die in der Jugend anfangen.

Wie entdeckt man, dass man eine Parodontitis hat?

Eine fortgeschrittene Parodontose mit sichtbarem Zahnfleischrückgang und gelockerten Zähnen ist eigentlich schon auf den ersten Blick zu erkennen. Bei leichten bis mittleren Formen kann die Diagnose manchmal erst nach einer ausführlicheren Untersuchung gestellt werden. Das Messen der Zahnfleischtaschen und Röntgenbilder zur Dokumentation des Knochenrückgangs sind die wichtigsten diagnostischen Kriterien.
Falls Sie Zahnfleischbluten bei sich bemerkt haben, dürfte das ein Zeichen für eine Zahnfleischentzündung sein. Wenn Sie sich unsicher sind, machen Sie doch schon mal unseren Parodontose-Selbsttest, der könnte Ihnen weiterhelfen.

Warum erkrankt man an einer Parodontitis?

Im Grunde sind es zwar nur 2 Komponenten, auf die sich alles zurückführen lässt: der bakterielle Angriff (Infektion) und die körpereigene Reaktion. Sowohl Angriff und Abwehr sind dabei extrem komplex, beeinflusst durch eine Vielzahl von Risikofaktoren und Modulatoren.

  • Auslöser sind Bakterien, die sich als Beläge auf der Zahnoberfläche ansammeln einen Biofilm bilden und den Körper angreifen: die Infektion

  • die Reaktion des Körpers auf diesen Bakterienangriff (Immunantwort) ist bei jedem Patienten unterschiedlich ausgeprägt (endogene Faktoren) und bestimmt das Ausmaß der Zahnbettzerstörung

  • Die Erkrankung wird zusätzlich durch Risikofaktoren für eine Parodontose, wie z.B. Rauchen oder Stress negativ beeinflusst

Wie läuft die Parodontitisbehandlung ab?

Das Grundprinzip bei der Parodontosebehandlung ist einerseits die Beseitigung der bakteriellen Besiedlung der Wurzeloberfläche und zum Anderen die Elimination der Risikofaktoren.
Zunächst sollte eine Vorbehandlung erfolgen: Analyse der persönlichen Risikofaktoren, eine professionelle Zahnreinigung und die Instruktion zur optimalen Mundhygiene und Putztechnik.
Danach wird die eigentliche (geschlossene) Parodontosebehandlung (SRP=Scaling und Rootplanning) geplant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt, damit sie so wenig unangenehm wie möglich ist. Ein paar Wochen braucht es dann, damit man den Heilerfolg beurteilen kann. Sollte die Entzündung noch weiter bestehen, kann das chirurgische Nacharbeiten (offene Parodontosebehandlung) erforderlich sein. Auch kann eine medikamentöse Therapie (gezielte Antibiotikatherapie) in Betracht kommen.

Mit welchen Kosten muss ich bei einer Behandlung rechnen?

Prinzipiell wird die Behandlung von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen bezahlt. Bei Kassenpatienten muss dafür vorab ein Antrag auf Parodontosebehandlung an die Kasse gestellt werden, der genehmigt werden muss. Für Kassenpatienten können allerdings auch Kosten bei der Behandlung der Parodontitis entstehen, die nicht von der gesetzlichen Krankenkasse getragen werden. Dazu zählen die Kosten für die professionelle Zahnreinigung, bei weiterführenden oder alternativen Therapien (Behandlung mit dem Vector® oder Laser), Maßnahmen zur lokalen Desinfektion (z.B. Periochip® oder Ligosan®) und wieder aufbauende Therapien wie die gesteuerte Knochen- bzw. Geweberegeneration (GBR oder GTR).

Kann eine Parodontitis geheilt werden?

In den meisten Fällen ist die Erkrankung zu heilen bzw. der Erkrankungsverlauf aufzuhalten. Nur selten kommt es trotz Parodontosebehandlung zu einem Fortschreiten der Erkrankung. Rechtzeitige Diagnose, konsequente Therapie und Nachsorge sind enorm wichtig. Auf keinen Fall darf man sich nach erfolgter Erstbehandlung als geheilt ansehen. Eine Parodontitis ist eher mit anderen chronischer Erkrankungen wie dem hohen Blutdruck vergleichbar. Hier würde auch keiner Annehmen, dass mit der Einnahme einer Packung Tabletten die Krankheit passé ist.

Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, Die Klassifikation der Parodontalerkrankungen, Quintessenz Verlag, 1. Auflage (10. Juni 2013)
Thomas E. Van Dyke, DDS, PhD und Sheilesh Dave, Risk Factors for Periodontitis, J Int Acad Periodontol. 2005 January; 7(1): 3–7.
H. F. Wolf, K. u. E.M. Rateitschak, Band 1: Parodontologie: Farbatlanten der Zahnmedizin Thieme; 3. Auflage (2012)
H.-C. Plagmann; Lehrbuch der Parodontologie, Carl Hanser Verlag München Wien (1998)
W. Micheelis, Th. Hoffmann, B. Holzfreier, Th. Kocher, E. Schroeder, Zur epidemiologischen Einschätzung der Parodontitis in Deutschland - Versuch einer Bilanzierung, DZZ Sonderdruck 63. Jahrgang, Heft 7 (2008)

Bildquelle: istockphoto 24327786

Letzte Aktualisierung am Donnerstag, 07. Juli 2016



Anzeige